BKA: Anzeigen wegen Anlagebetrugs haben sich verdreifacht

18.11.2010 | 13:25

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Wiesbaden - Von Anlagevermittlern in verlustreiche Geschäfte gelockte Verbraucher kämpfen offenbar härter um ihr Recht als noch vor der Finanzkrise. Wie das Bundeskriminalamt (BKA) am Mittwoch mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 18.313 Fälle von Kapitalanlagebetrug zur Anzeige gebracht. Das waren dreimal so viele wie 2008. Darüber hinaus stieg die Zahl der Delikte im Zusammenhang mit Kreditvergaben um 176 Prozent auf 19.792 Anzeigen.

Der Ende 2008 als Folge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise einsetzende Trend ansteigender Fallzahlen habe sich damit im vergangenen Jahr fortgesetzt, hieß es. Nach Einschätzung der Behörde dürfte es sich dabei aber "eher um eine Aufhellung des Dunkelfelds als einen tatsächlichen Anstieg der Delikte handeln".

Als mögliche Ursache für den Zuwachs nannte BKA-Präsident Jörg Ziercke die öffentliche Aufarbeitung der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Medien sowie die Aufrufe von Verbraucherschutzorganisationen zu Strafanzeigen gegen Anlagevermittler. Diese hätten "offenbar beim Bürger zu einer verstärkten Sensibilität geführt und das Anzeigeverhalten der Geschädigten beeinflusst", erklärte Ziercke.

Den Gesamtschaden durch Wirtschaftskriminalität bezifferte das BKA wie im Vorjahr auf 3,43 Milliarden Euro. Zwar habe der Anteil an allen polizeilich registrierten Straftaten im Berichtsjahr lediglich 1,6 Prozent betragen, dafür seien Wirtschaftskriminelle aber für nahezu die Hälfte des verursachten Gesamtschadens von rund 7,2 Milliarden Euro verantwortlich gewesen.

Eher überraschend hat der "Tatort Internet" trotz technischen Fortschritts an Bedeutung verloren: Nachdem 2008 noch 16.437 Fälle von Wirtschaftskriminalität im Netz verzeichnet wurden, ging die Zahl im vergangenen Jahr nach Angaben des BKA um mehr als ein Drittel auf 10.717 zurück. Für die Zukunft rechnet das BKA aber wieder mit steigenden Fallzahlen.

Laut der Behörde wurden 2009 insgesamt 35.801 Tatverdächtige im Bereich der Wirtschaftskriminalität registriert und damit 308 mehr als im Jahr zuvor. Allerdings kommen sie fast nie ungeschoren davon: Die Aufklärungsquote sank im vergangenen Jahr kaum merklich auf 91,7 Prozent und lag damit erneut weit mehr als doppelt so hoch wie bei der Gesamtkriminalität.