300.000 Euro Vermögensunterschied: Frauen verzichten häufig auf Renditechancen
Stand: 04.09.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Frauen legen meist deutlich weniger Geld für die Altersvorsorge zurück als Männer – das zeigen aktuelle Daten von Verivox. Umso wichtiger wäre es, die vorhandene Sparrate möglichst renditestark anzulegen. Doch Frauen investieren deutlich seltener in Aktien und ETFs. Welche finanziellen Folgen das langfristig haben kann, zeigen aktuelle Modellrechnungen von Verivox: Bis zum Renteneintritt können je nach Anlageform und Einstiegsalter mehr als 300.000 Euro Vermögensunterschied entstehen.
Vorsicht kostet langfristig Vermögen
Laut einer repräsentativen Verivox-Umfrage im Frühjahr letzten Jahres hält sich nur etwa jede dritte Frau für kompetent bei Finanzinvestitionen. Auch aus diesem Grund setzen Frauen bei der Geldanlage deutlich häufiger auf Sicherheit als auf Rendite. Während Männer öfter in Aktien oder ETFs investieren, bevorzugen Frauen klassische Sparformen wie Tages- und Festgeld oder Sparkonten. In der Verivox-Studie war der Anteil der Befragten, die in Aktien, Fonds und ETFs investieren, unter Männern fast anderthalbmal so hoch wie unter Frauen.
Je länger die Sparphase, desto stärker fällt der Renditeunterschied von sicheren Anlagen zu risikoreicheren Investitionen ins Gewicht. Insbesondere beim langfristigen Vermögensaufbau für die Altersvorsorge entfaltet der Zinseszinseffekt seine volle Wirkung.
100 Euro im Monat können 300.000 Euro Unterschied machen
Wie groß dieser Effekt über Jahrzehnte wird, zeigt die Modellrechnung von Verivox. Wer ab dem 20. Lebensjahr bis zum Renteneintritt monatlich 100 Euro in einen weltweit gestreuten ETF investiert und eine jährliche Rendite von 7,5 Prozent erzielt, verfügt nach Steuern über rund 403.000 Euro. Fließt das Geld stattdessen auf ein Sparkonto mit 2,5 Prozent Zinsen, beläuft sich das Vermögen bei Rentenbeginn lediglich auf rund 102.000 Euro. Die Wahl der Anlageform macht damit einen Unterschied von mehr als 300.000 Euro.
Selbst wer erst mit 30 Jahren beginnt, profitiert noch deutlich vom Zinseszinseffekt. Aus einer monatlichen Sparrate von 100 Euro entstehen bis zum Renteneintritt im ETF rund 192.000 Euro, auf dem Sparkonto dagegen lediglich rund 71.000 Euro.
"Gerade bei langen Anlagezeiträumen entscheidet die Rendite maßgeblich darüber, wie groß das Vermögen im Alter ausfällt. Schon vergleichsweise kleine Sparraten können durch den Zinseszinseffekt langfristig einen sechsstelligen Unterschied machen", sagt Melanie Ulbrich, Finanzexpertin bei Verivox.
Frauen sparen weniger – Rendite wird wichtiger
Frauen können für die Altersvorsorge meist geringere Beträge zurücklegen. Gerade deshalb kommt der Rendite der Geldanlage eine besondere Bedeutung zu. Zwar sparen Frauen ähnlich häufig wie Männer, ihre Sparraten fallen jedoch deutlich niedriger aus. Im Januar 2026 zeigte eine repräsentative Verivox-Umfrage von Verivox: Demnach sparen 42 Prozent der Frauen monatlich höchstens 100 Euro für die Altersvorsorge. Bei den Männern legt dagegen mehr als jeder Dritte über 100 Euro im Monat zurück.
"Bei geringeren Sparmöglichkeiten kommt es besonders auf die Wahl der Geldanlage an. Denn wer weniger Geld zur Seite legen kann, sollte die vorhandene Sparrate möglichst renditestark investieren", sagt Melanioe Ulrbich.
Eine 30-Jährige, die monatlich 50 Euro in einen ETF investiert, baut bis zum Renteneintritt ein Vermögen nach Steuern von rund 96.000 Euro auf. Auf einem Sparkonto wäre dafür monatlich mindestens das Doppelte notwendig – und selbst dann läge das Vermögen mit rund 71.000 Euro noch deutlich darunter.
"Gerade Menschen mit geringeren Sparmöglichkeiten profitieren besonders von den Renditechancen des Kapitalmarkts. Über lange Anlagezeiträume kann der Zinseszinseffekt einen erheblichen Teil geringerer Sparmöglichkeiten ausgleichen. Wer ausschließlich auf niedrig verzinste Sparformen setzt, verzichtet langfristig auf einen großen Teil seines Vermögenspotenzials", sagt Melanie Ulbrich.
Inflation schmälert die Kaufkraft
Auch eine erfolgreiche Geldanlage schützt nicht vollständig vor Kaufkraftverlusten. Bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von zwei Prozent entspricht ein Vermögen von 300.000 Euro nach 40 Jahren nur noch einer heutigen Kaufkraft von rund 136.000 Euro.
"Steigen im Laufe des Berufslebens Einkommen und damit auch die finanziellen Spielräume, sollte die Sparrate regelmäßig angepasst werden. So lässt sich der Kaufkraftverlust durch die Inflation zumindest teilweise ausgleichen und gleichzeitig der langfristige Vermögensaufbau beschleunigen", sagt Melanie Ulbrich.