Trotz Nahost-Konflikt: Gaskosten für Millionen Haushalte gesunken
Stand: 29.06.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Die angespannte Lage im Nahen Osten hat sich bislang kaum auf die Gasrechnungen der Haushalte in Deutschland ausgewirkt. Millionen Gaskunden können im laufenden Jahr sogar mit sinkenden Gaskosten rechnen. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox.
Gaspreise beim örtlichen Versorger leicht gesunken
Knapp jeder zweite Gaskunde in Deutschland wird nach Angaben der Bundesnetzagentur vom örtlichen Versorger beliefert, davon 16 Prozent im sogenannten Grundversorgungstarif und 32 Prozent in einem Sondertarif ihres örtlichen Versorgers.
Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden sanken die jährlichen Kosten in der Grundversorgung von 2.802 Euro im Jahr 2025 auf 2.687 Euro im laufenden Jahr. Das entspricht einer Entlastung von 115 Euro oder 4,1 Prozent. Von den günstigeren Preisen profitieren rund 3,7 Millionen Haushalte.
Weitere 7,5 Millionen Haushalte beziehen ihr Gas über Sondertarife ihres regionalen Versorgers. Auch dort zeigt sich im Jahresvergleich ein geringeres Preisniveau. So sanken die durchschnittlichen Jahreskosten für den günstigsten lokalen Sondertarif um 3 Prozent – von 2.292 Euro auf 2.223 Euro.
"Die jüngsten Preissteigerungen am Großhandelsmarkt infolge des Nahost-Konflikts sind bislang bei vielen Haushalten noch nicht angekommen. Die meisten Versorger beschaffen das Gas für ihre Bestandskunden langfristig und können so kurzfristige Preisschwankungen abfedern", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. "Es ist aber durchaus möglich, dass einzelne Versorger bis Jahresende noch Preisanpassungen vornehmen.”
Viele Energieversorger kaufen ihre Gas Monate und Jahre im Voraus ein. Bestandskunden profitieren daher noch von den günstigeren Einkaufspreisen aus den Jahren 2024 und 2025. Am niederländischen Handelsplatz TTF, der als wichtigster Referenzmarkt Europas gilt, lag der Durchschnittspreis 2024 bei rund 34 Euro und 2025 bei knapp 37 Euro je Megawattstunde. In diesem Jahr kletterten die Großhandelspreise im Zuge des Irankriegs auf bis zu 66 Euro und liegen aktuell bei rund 42 Euro je Megawattstunde.
Örtliche Versorger bleiben trotzdem teuer
Obwohl die Gaskosten bei den örtlichen Versorgern bislang im Schnitt nicht gestiegen sind, liegt ihr Preisniveau deutlich über dem der überregionalen Anbieter. So kostet eine Kilowattstunde Gas beim örtlichen Versorger aktuell zwischen 13,4 Cent (Grundversorgungstarif) und 11,4 Cent (günstigster Sondertarif), während der günstigste Laufzeittarif bei einem überregionalen Versorger durchschnittlich 9,3 Cent kostet – ein Sparpotenzial zwischen 18 und 31 Prozent.
"Verbraucher sollten ihren Gastarif daher überprüfen, auch wenn sie bisher keine Preiserhöhung bekommen haben. Die durchschnittlichen Neukundenpreise liegen weiterhin deutlich unter den Angeboten der örtlichen Versorger und mit einer Preisgarantie sichern sich Verbraucher dieses Niveau mindestens für die kommende Heizsaison", sagt Storck.
Methodik
Für die Auswertung hat Verivox die Kosten für den Grundversorgungstarif sowie den günstigsten lokalen Sondertarif der örtlichen Versorger mit Neukundenbonus herangezogen und mit den entsprechenden Tarifständen des Vorjahres verglichen. Zudem hat Verivox für jede Postleitzahl den günstigsten Laufzeittarif mit Preisgarantie ermittelt und daraus einen bundesweiten Durchschnittswert gebildet.