Studie: Erdgasbetriebene Lkw so schädlich wie Diesel

13.05.2020 | 07:30

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Die meisten Lkw, die mit verflüssigtem Erdgas (LNG) fahren, verursachen fast genauso viele schädliche Treibhausgase wie Lkw mit Diesel-Antrieb. Daher sollte der LNG-Antrieb nicht staatlich gefördert werden. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie von Öko-Institut und dem International Council on Clean Transportation (ICCT) im Auftrag des Umweltbundesamtes.

Je nach Antriebstechnologie der sogenannten erdgasbetriebenen Lkw entstehen zwischen 969 und 1.051 Gramm Treibhausgase pro Kilometer. Ein Diesel-Fahrzeug verursacht fast 1.060 Gramm pro Kilometer.

Methan ist klimaschädlicher als CO2

Die Lastwagen mit LNG-Antrieb haben ähnlich hohe Emissionen, da beim Verbrennen des Erdgases nicht nur CO2 entsteht, sondern auch beim Tanken und bei der Produktion des Flüssigerdgases eine gewisse Menge Methan entweicht. Dieses Treibhausgas hat eine deutlich stärkere Wirkung auf das Klima als CO2.

„Der vielzitierte, große Klimavorteil von LNG-Lkw und ihre Förderung als Brückentechnologie für einen klimafreundlichen Güterverkehr sind daher nicht länger haltbar“, fasst Moritz Mottschall, Senior Researcher im Institutsbereich Ressourcen & Mobilität am Öko-Institut zusammen.

Methanemissionen wurden berücksichtigt

Werden ausschließlich die CO2-Emissionen berücksichtigt, ist die Klimabilanz von LNG deutlich besser als die von Diesel. Doch werden, wie in der Studie geschehen, nicht nur die direkten CO2-Emissionen am Auspuff, sondern auch die Emissionen von Methan und Lachgas mit einbezogen, ändert sich das Bild. Die Gase entstehen bei der Verbrennung sowie der Produktion und des Transports des Erdgases.

So entstehen bei der Nutzung von typischen LNG-Lkw mit einem Ottomotor 1.051 Gramm Treibhausgase pro Kilometer (g/km). Damit liegen sie etwa gleichauf zu Diesel-Lkw mit 1.056 g/km. Nur bei LNG-Lkw, die ähnlich wie ein Diesel-Lkw nach dem Prinzip der Selbstzündung arbeiten, liegen die Treibhausgase mit 969 g/km darunter. Doch solche Modelle werden nur von einem Hersteller angeboten, die meisten LNG-Lkw gehören nicht dazu.

Die Klimabilanz der LNG-Lkw verschlechtert sich noch weiter, wenn zunehmend Fracking-Erdgas zum Einsatz kommt. Beim Fracking entweichen größere Mengen Methan in die Atmosphäre als bei der Erdgas-Förderung aus konventionellen Quellen.

Erdgasbetriebene LkW werden staatlich gefördert

Da Erdgas als klimafreundlicher als Diesel gilt, können Spediteure für die Anschaffung von Lkw mit LNG-Motor eine Förderung von jeweils 12.000 Euro pro Lkw erhalten. Zusätzlich sind LNG-Lkw bis Ende des Jahres von der Lkw-Maut befreit und werden befristet mit einem abgesenkten Energiesteuersatz gefördert. Die Subventionierungen sollten nach Ansicht der Autoren der Studie wie geplant auslaufen, da der Klimavorteil in der Gesamtbilanz nicht haltbar ist.

„Die Einschätzung, dass Erdgas-Lkw wesentlich klimafreundlicher als Diesel-Lkw sind, geht an der Realität vorbei. Aus Klimaschutzsicht sollten sie daher nicht länger mit öffentlichen Geldern gefördert werden“, fordert Mottschall.