Pauschale Warmmiete soll CO2 einsparen

13.10.2020 | 10:30

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Die Politikberater von Agora Energiewende schlagen ein Modell von Pauschalmieten für Wohnen und Wärme vor. So sollen Mieter zum klimafreundlichen Heizen und Gebäudeeigentümer zu energetischen Sanierungen motiviert werden. Schwedische Gebäude seien durch dieses Modell schon nahezu CO2-frei geworden.

Temperaturfeedback bietet Anreize für Mieter und Eigentümer

Im Warmmieten-Modell sollen Vermieter davon profitieren, wenn die Heizkosten dank guter Dämmung oder neuer Fenster sinken. Um gleichzeitig Mieter zum sparsamen Heizen zu animieren, schlägt Agora Energiewende eine Variante mit Temperaturfeedback vor. Dabei vereinbaren Vermieter und Mieter eine Raumtemperatur, die der Vermieter während der Wintermonate garantiert. Über eine kalibrierte Messung der Raumtemperatur bei normalem Heizverhalten wird daraufhin ein Referenzverbrauch ermittelt.

Übersteigt der Mieter in einer Heizperiode diesen Verbrauch, zahlt er nach. Spart er beim Heizen, erhält er eine Rückzahlung. Wird die Wohnung nun energetisch saniert, wird der Referenzverbrauch gesenkt, da weniger Energie notwendig ist, um dieselbe Temperatur zu erreichen. Der Preis für die vereinbarte Raumtemperatur bleibt hingegen gleich. Somit profitiert der Vermieter von den gesparten Heizkosten. Durch den Referenzverbrauch mit Rück- und Nachzahlung ist das Energiesparen jedoch auch im Interesse der Mieter. Die Vermieter werden deshalb vor verschwenderischem Heizverhalten mit offenem Fenster geschützt.

Vorbild Schweden

Agora Energiewende hat einen entsprechenden Vorschlag gemeinsam mit der Universität Kassel ausgearbeitet. Das große Vorbild ist Schweden, wo seit dem Jahr 2000 eine Kombination aus steigenden CO₂-Preisen bei gleichzeitiger Einführung des Warmmieten-Prinzips gilt. Die Emissionen der dortigen Haushalte sind seither um 95 Prozent gesunken.

CO2-Preis soll durch Modell ergänzt werden

„Der von Januar 2021 an geltende CO2-Preis auf Erdgas und Heizöl muss durch ein Warmmieten-Konzept ergänzt werden. Nur so können wir Vermietern den Anreiz geben, energetische Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. „Das jetzige System, das die Heizkosten an die Mieter weiterreicht und gleichzeitig pauschale Mieterhöhungen nach Sanierungen erlaubt, ist überholt und gehört abgeschafft.“

Mieter könnten nicht darüber entscheiden, ob ihr Haus gedämmt ist oder mit klimafreundlicher Heizung warm wird. Sie tragen aber die höheren Heizkosten durch den neuen CO2-Preis. Für Vermieter hingegen rechne sich ein klimafreundlicher Umbau oft schlichtweg nicht. Das Warmmieten-Modell mit Temperaturfeedback soll dieses Dilemma auflösen.