Gaspreise ziehen an - droht ein teurer Winter?
Stand: 20.08.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Die Gaspreise im Großhandel sind derzeit so hoch wie seit dem Ende der Energiekrise im Jahr 2023 nicht mehr. Niedrige Gasspeicherfüllstände und die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten sind die Gründe für den Preisanstieg. Sollte das aktuelle Preisniveau bestehen bleiben, drohen Haushalten höhere Heizkosten von bis zu 20 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox.
Gasgroßhandel im Aufwärtstrend
Vor dem Ausbruch des Iran-Krieges lagen die Gaspreise des richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakts TTF bei etwa 3 Cent pro Kilowattstunde. Im März stieg der Preis kurzzeitig auf rund 6 Cent pro Kilowattstunde, sank dann jedoch wieder und schwankte im Frühling zwischen 4 und 5 Cent pro Kilowattstunde. Mit Beginn des Sommers stieg er wieder an und liegt nun häufig über 6 Cent pro Kilowattstunde.
"Diese Preissteigerungen kommen zeitverzögert auch bei den Haushalten an. Am schnellsten steigen die Preise für Neukunden, da diese Angebote üblicherweise besonders streng kalkuliert sind. Mit der Zeit werden aber auch die Preise für Bestandskunden erhöht", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.
Gaspreise für Neukunden bereits rund 20 Prozent höher
Die Preise der günstigsten Gasangebote für Neukunden sind seit Anfang März 2026 von rund 8 auf 10 Cent pro Kilowattstunde (kWh) angestiegen. Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh bedeutet das höhere Kosten von rund 400 Euro.
Bei den meisten Haushalten sind die Preissteigerungen aus dem Gas-Großhandel noch nicht angekommen. Viele Gasversorger beschaffen Gas langfristig und geben Preissteigerungen daher erst mit Zeitverzug weiter. Flächendeckende Preiserhöhungen sind bisher nicht zu beobachten.
"Sollte das aktuelle Preisniveau der Großhandelspreise jedoch noch länger bestehen bleiben, sind früher oder später auch für Bestandskunden Preiserhöhungen zwischen 10 und 20 Prozent zu erwarten", sagt Thorsten Storck.
Gastarif prüfen und Mehrkosten vermeiden
Die Gaspreise bei günstigen Neuverträgen sind derzeit immer noch deutlich niedriger als das Preisniveau vieler Bestandskunden. Kostet eine Kilowattstunde Gas im günstigsten Neukundenangebot derzeit rund 10 Cent, sind es im örtlichen Grundversorgungstarif im Bundesschnitt über 13 Cent/kWh. Bei einem Gasverbrauch von 20.000 kWh entspricht das einer Preisdifferenz von rund 600 Euro pro Jahr.
Darum kann sich ein Wechsel je nach aktuellem Gastarif durchaus lohnen. Hinzu kommt, dass beim Wechsel in einen Tarif mit einer zwölfmonatigen Preisgarantie das aktuelle Preisniveau für den kommenden Winter fixiert werden kann.
Ein Wechsel funktioniert auch, wenn der eigene Vertrag noch einige Monate läuft: Es gibt Versorger, bei denen man sich die heutigen Konditionen für bis zu 12 Monate im Voraus sichern lassen kann.
Methodik
Die durchschnittlichen Gaspreise bei Neuabschluss wurden anhand der bei Verivox verfügbaren Angebote erhoben. Der Preis pro Kilowattstunde enthält den Arbeitspreis sowie den Grundpreis und basiert auf dem deutschlandweit gewichteten Mittel des günstigsten Preises je Postleitzahl. Berücksichtigt werden ausschließlich Neukundentarife mit einer Preisgarantie von 12 Monaten.
Für die durchschnittlichen Gaspreise der Grundversorgung hat Verivox die verfügbaren veröffentlichungspflichtigen Preise der rund 700 Gas-Grundversorger in Deutschland ausgewertet.