Wer etwas begutachten oder taxieren lassen möchte, wendet sich in der Regel an einen Sachverständigen. Als Sachverständiger gilt, wer in einem bestimmten Themenfeld über eine ausgewiesene und überdurchschnittliche Expertise verfügt. Allerdings gilt auch, dass der Begriff "Sachverständiger" so nicht gesetzlich geschützt ist. Wer daher beispielsweise einen Bausachverständigen engagiert, sollte darauf achten, dass dieser zertifiziert oder öffentlich bestellt ist.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Qualifizierter Bausachverständiger – woran erkennt man ihn?
  3. Öffentliche Bestellung eines Sachverständigen
  4. Sachverständiger nach DIN EN ISO/IEC 17024
  5. Staatlich anerkannter Sachverständiger
  6. Allgemein anerkannte Sachverständige
  7. Der Immobiliensachverständige
  8. Verwandte Themen
  9. Weiterführende Links
  10. Baufinanzierung

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland wird zwischen verschiedenen Gruppen von Sachverständigen unterschieden.
  • Alle Verfahren zur Anerkennung als Sachverständiger setzen eine umfängliche Sachkunde voraus.
  • Der Begriff "Sachverständiger" ist nicht geschützt, kann aber durch die Mitgliedschaft in einem Verband untermauert werden.

Qualifizierter Bausachverständiger – woran erkennt man ihn?

Gleich, ob Bausachverständiger oder Kfz-Gutachter, bestimmte mit dem Begriff in Zusammenhang stehende Zusätze trennen die Spreu vom Weizen. In Deutschland wird zwischen verschiedenen anerkannten Sachverständigengruppen unterschieden:

  • Öffentlich bestellt und vereidigt (ö.b.u.v.)
  • Zertifizierung gemäß DIN EN ISO/IEC 17024
  • Staatlich anerkannt
  • Medizinische Sachverständige
  • Freie und allgemein anerkannte, anderweitig qualifizierte Sachverständige

Öffentliche Bestellung eines Sachverständigen

Die öffentliche Bestellung zum Sachverständigen kann durch die Industrie- und Handelskammer, eine Handwerkskammer, das Regierungspräsidium, die Landwirtschaftskammer oder eine Architekten- oder Ingenieurkammer erfolgen. Der Begriff "öffentlich bestellter Sachverständiger oder Gutachter" ist gesetzlich geschützt, die missbräuchliche Verwendung des Titels stellt eine Straftat dar.

Der öffentlich bestellte Sachverständige muss auf die Grundsätze der Objektivität, Unparteilichkeit und Weisungsfreiheit einen Eid leisten. Die Grundpflichten des ö.b.u.v.-Sachverständigen finden sich in der Sachverständigenordnung. Der Bestellung geht ein Verfahren voraus, welches die persönliche und fachliche Eignung sowie eine überdurchschnittliche Fachkenntnis prüft.

Sachverständiger nach DIN EN ISO/IEC 17024

Die Akkreditierung und Zertifizierung nach DIN EN ISO/ICE 17024 erfolgt durch einen mehrstufigen Prozess. Die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) delegiert die Prüfung und Zertifizierung an privatrechtliche Institutionen, die allerdings mit der Zertifizierung hoheitliche Aufgaben wahrnehmen. Eine Zertifizierung nach DIN EN ISO/ICE 17024 ist einer öffentlichen Bestellung gleichzusetzen.

Staatlich anerkannter Sachverständiger

Staatlich anerkannte Sachverständige (saSV) sind Experten, welche ihr weitreichendes Wissen in einem bestimmten Thema und ihre besondere Sachkunde durch mehrere Prüfungen nachgewiesen haben. Der Begriff "staatlich anerkannt" ist gesetzlich geschützt.

In folgenden Bereichen finden sich staatlich anerkannte Sachverständige:

  • Erd- und Grundbau
  • Potenziell gefährliche Tiere
  • Brandschutz
  • Standsicherheit in den Fachrichtungen Massivbau, Metallbau und Holzbau
  • Schall- und Wärmeschutz
  • In Bayern: Private Sachverständige in der Wasserwirtschaft (PSW)

Allgemein anerkannte Sachverständige

Freie und allgemein anerkannte Sachverständige können sich zwar nicht auf den staatlichen Schutz ihrer Berufsbezeichnung berufen, aber durch gewisse Reputationen ihren Sachverstand untermauern. Dazu zählen im handwerklichen Umfeld der Meisterbrief oder ein abgeschlossenes Ingenieurstudium, eine fachschulische Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker oder ein abgeschlossenes Betriebswirtschaftsstudium.

Alle hier vorgestellten Arten von Sachverständigen haben die Möglichkeit, die Mitgliedschaft in einem Sachverständigenverband zu beantragen. Für den allgemein anerkannten, anderweitig qualifizierten Sachverständigen bietet diese Mitgliedschaft die Möglichkeit, seine Qualifikation zu dokumentieren, da diese im Vorfeld überprüft wird.

Die beiden häufigsten Fälle, in denen Verbraucher auf einen Sachverständigen angewiesen sein können, bestehen im Zusammenhang mit ihrem Auto oder mit dem Erwerb einer Immobilie.

Der Immobiliensachverständige

Es ist ratsam, vor dem Kauf einer Immobilie mit einem Sachverständigen für Immobilien das Objekt zu begehen. Dabei muss es sich nicht gleich um einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen handeln. Erstellt ein Architekt ein Gutachten, wird dies von der Bank ebenso akzeptiert, wie das eines vereidigten Sachverständigen.

Der Deutsche Gutachter- und Sachverständigen Verband (DGuSV) bietet seinen Mitgliedern aus dem Bau- und Immobiliensektor allerdings die Möglichkeit, ihre Kenntnisse im Rahmen von Seminaren zu vertiefen. Die Zertifizierung durch den DGuSV erlaubt es ihnen, dass sie als ausgewiesene Baugutachter aktiv sein können. Von diesem Angebot machen beispielsweise Immobilienmakler Gebrauch, da sie sich mit der Bezeichnung "Immobiliensachverständiger DGuSV" von ihren Mitbewerbern abheben.

Immobiliensachverständige erstellen Gutachten wie andere Sachverständige auch, werden allerdings selten von Gerichten angefordert. Die Rechtssprechung greift nach wie vor auf öffentlich bestellte und vereidigte Gutachter zurück.

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