Wartburg: Ein Auto mit Ostalgie-Charme

Wartburg ist eine Marke des ehemaligen Automobilherstellers VEB Automobilwerk Eisenach, die 1956 ihre Anfänge in der damaligen DDR nahm und bis 1991 existierte. Die Marke ist nach der gleichnamigen Burg im thüringischen Eisenach benannt. Nach den Kleinwagen von Trabant waren die Mittelklassewagen von Wartburg die zweithäufigsten Fahrzeuge auf den Straßen der DDR. 

Wartburg 311

Der Wartburg 311 wurde von 1955 bis 1965 produziert. Seine technische Basis orientierte sich am DKW F9 von 1940 – einem Modell der Auto Union AG aus Chemnitz. Es entstand allerdings ein neues, gefälliges und zeitgemäßes Blechkleid. Das Fahrzeug war über die gesamte Bauzeit der Baureihe stets mit einem Dreizylinder-Zweitaktmotor ausgerüstet. Der Motor leistete bei Modelleinführung zunächst 37 PS aus 900 ccm, später 40 PS und in den letzten Baujahren mit auf 1,0 Liter vergrößertem Hubraum 45 PS. 

Der Zweitaktmotor hatte durchaus gewisse Vorteile: Er galt als robust, konstruktionsbedingt aufgrund fehlenden Ventiltriebs als wartungsarm und bot in Bezug auf Kraftstoffverbrauch und Hubraum eine gute spezifische Leistungsausbeute. Umweltschutzaspekte galten damals, sofern sie überhaupt in Erwägung gezogen wurden, als vernachlässigbar. Der Wartburg 311 war von der Grundkonstruktion her sehr wandelbar. Es gab ihn bereits ab Werk in vielerlei Karosserieformen: von Cabriolet über Limousine bis hin zum Schnelltransportwagen.

Wartburg 312

Der Wartburg 312 kam 1965 auf den Markt und stellte die technische Weiterentwicklung des 311 dar. Äußerlich unterscheidet er sich kaum von seinem Vorgänger. Der 312 wurde bis 1967 gebaut – teilweise parallel zum 1966 erschienenen und äußerlich wesentlich moderner wirkenden Nachfolgemodell 353. Der 312 wies technisch schon diverse Eigenschaften des 353 auf – so verfügte er ebenso wie der neue 353 im Gegensatz zum 311 bereits über ein Schraubenfederfahrwerk. Der 312 gilt heute als Zwischenmodell für den Übergang vom 311 zum 353.

Wartburg 313

Von 1957 bis 1960 wurde auf der technischen Basis des 311 der Wartburg 313 gebaut. Dabei handelte es sich um einen Roadster, der mit Stoffverdeck und auf Wunsch zusätzlich mit Hardtop bestellt werden konnte und formale Anleihen bei den zeitgenössischen Modellen Mercedes-Benz 300 SL und BMW 507 bezog. Auch der 313 wurde wie sein bürgerlicher Bruder 311 von einem Dreizylinder-Zweitaktmotor angetrieben, verfügte jedoch mit 50 PS über etwas mehr Leistung als die Limousine. Der insgesamt nur 469 Mal gebaute und daher heute sehr seltene Wartburg 313 gilt bei vielen Wartburg-Fans als das schönste Modell der Marke.

Wartburg 353

1966 kam mit dem Wartburg 353 ein komplett neues Modell heraus. Die Karosserie war für die 1960er Jahre modern gezeichnet und deutlich kantiger als beim 311/312. Wie schon seine Vorgänger wurde auch der Wartburg 353 fast über seine gesamte Bauzeit von einem Dreizylinder-Zweitaktmotor angetrieben. In den ersten Baujahren wurde der Motor aus dem Vorgängermodell 312 verbaut, ab 1969 folgte im Wartburg 353 ein neuer Motor, der 50 PS leistete. Eine Besonderheit stellt der Wartburg 353 WR dar, der für den Einsatz im Motorsport vorgesehen war und 110 PS leistete. Diese Variante war allerdings für die Normalbevölkerung noch weniger erreichbar als schon der normale 353. 

Die Mangelwirtschaft in der DDR führte zu der kuriosen Situation, dass ein Gebrauchtfahrzeug teurer war als ein Neuwagen: Erstere waren sofort verfügbar, so dass die Interessenten nicht jahrelange Wartezeiten von der Fahrzeugbestellung bis zur Auslieferung in Kauf nehmen mussten.

Wartburg 1.3: Die Modernisierung des 353 mittels Viertaktmotor

Ab Oktober 1988 wurde aufgrund einer Kooperation mit der Volkswagen AG ein 1,3 Liter großer, von Volkswagen lizensierter Viertaktmotor in den Wartburg eingebaut. Das Modell mit VW-Motor erhielt den Namen Wartburg 1.3 und leistete 58 PS. Der 1.3 wurde allerdings mit damals 30.000 Mark Kaufpreis nochmals wesentlich teurer angeboten und damit noch unerreichbarer als der mit 20.000 Mark ohnehin schon fast unbezahlbare 353. Es war trotz der Modernisierung und weiteren Verbesserungen im Detail unübersehbar, dass der 1.3 veraltet war. Die letzten Modelle wurden, wesentlich bedingt auch durch die Wende in der DDR, 1991 an die Besteller ausgeliefert. 

Der Prototyp Wartburg 355

Ab Mitte der 1970er Jahre sollte der Wartburg 355 den seit 1966 gebauten Wartburg 353 mittelfristig ablösen. Allerdings entschied das Politbüro der SED, dass eine Modellablösung des 353 zu teuer käme und sich nicht lohne. So blieb es für den Wartburg 355 beim Prototypenstadium, das Fahrzeug wurde nicht zur Serienreife entwickelt.

Die Geschichte von Wartburg

Das Werk in Eisenach selbst hat wesentlich längere Tradition. Bereits 1896 wurden hier Fahrräder gebaut, das Werk war aber auch Standort der Rüstungsindustrie. Seit 1904 wurden hier Fahrzeuge der Marke Dixi hergestellt. 1928 übernahm BMW das Werk und stellte dort Fahrzeuge unter den Marken Dixi und BMW her. 1941 endete die Produktion von Fahrzeugen für den zivilen Markt. 1948 wurden die Werke Teil des Industrieverbandes Fahrzeugbau (IFA), zu dem auch solche Marken wie Trabant und Barkas gehörten. 1952 musste die Fabrik wegen einem Rechtsstreit mit BMW zu Eisenacher Motorenwerk, kurz EMW, umbenannt werden. Bereits im nächsten Jahr wurde die Fabrik in VEB Automobilwerk Eisenach, kurz AWE, umbenannt. 

Direkt nach dem 2. Weltkrieg wurden in Eisenach die BMW-Modelle weitergebaut, parallel wurden aber auch eigene Fahrzeuge auf deren Basis entwickelt. Seit 1952 musste dafür statt BMW die Eigenmarke EMW verwendet werden. 1956 erschien Wartburg 311 – das erste Modell unter der neuen Marke Wartburg. Produktionsende des letzten Modells war 1991. Das Automobilwerk Eisenach wird seit Ende der Wartburg-Ära für die Produktion von Opel-Fahrzeugen genutzt.

 

* Mehrwertsteuer ausweisbar

** Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem 'Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen' entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.

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