Bild: Stapel von Euro Geld Münzen ©Gina Sanders/fotolia.com

Sollzins und Effektivzins

In Deutschland ist es Kreditinstituten gesetzlich vorgeschrieben, bei Darlehensangeboten neben dem Sollzins auch den Effektivzins – auch als effektiver Jahreszins oder Jahreseffektivzins bekannt – anzugeben. Wer ein Darlehen aufnehmen möchte, sollte den Unterschied zwischen den beiden genau kennen. Nur so sind die optimale Vergleichbarkeit und eine Übersicht über die tatsächlichen Gesamtkosten für den Kredit gewährleistet.

Der Sollzins

In Rahmen der Novellierung der Verbraucherkreditrichtlinie im Juni 2010 wurde die Bezeichnung „Nominalzins“ durch den Begriff „Sollzins“ ersetzt. Dieser Zinssatz steht für die reine Darlehensverzinsung, in der keine weiteren Faktoren wie Vermittlungsgebühren oder  Kosten für bestimmte Zahlungsweisen berücksichtigt sind. Ausschlaggebend ist der Sollzins insbesondere für die Höhe der einzelnen Kreditraten, die der Darlehensgeber damit berechnen kann.

Wie hoch der Sollzins für ein Kreditangebot ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So orientiert sich der Zinssatz beispielsweise an den Leitzinsen der Nationalbank bzw. der Europäischen Zentralbank. Steigen die Leitzinsen, so wird auch das Kreditinstitut einen höheren Sollzins für die Inanspruchnahme eines Darlehens berechnen. Des Weiteren kann die Höhe des Sollzinses auch vom Verwendungszweck des Kredites und von der Bonität des Kreditnehmers abhängen. Hier gilt: Je schlechter die Bonität, desto höher der Sollzins.

Gebundener Sollzins

Für den Kreditnehmer ergibt sich eine optimale Planungssicherheit hinsichtlich der Kosten für seinen Kredit, wenn der Zinssatz über die gesamte Laufzeit unverändert bleibt. In diesem Fall spricht man auch von einem gebundenen Sollzins, da der Zinssatz fest an die Laufzeit gebunden wird.

Der Effektivzins

Der Effektivzins gibt die jährlichen Gesamtkosten für die Inanspruchnahme eines Darlehens an. Die genaue Berechnung dieses Zinssatzes ist in der Verbraucherkreditrichtlinie der Europäischen Union festgelegt. Die verpflichtende Angabe des Effektivzinses wurde eingeführt, um dem Verbraucher die Übersicht und die Vergleichbarkeit bezüglich der tatsächlichen Kosten für ein Darlehen zu erleichtern. Dazu enthält der Effektivzins sowohl den Sollzins als auch weitere Kostenfaktoren, zum Beispiel Vermittlungs- und Bearbeitungsgebühren.

Werden die Konditionen für ein Darlehen bei Abschluss noch nicht für die gesamte Laufzeit festgelegt (zum Beispiel bei variablen Zinssätzen), so spricht man von einem anfänglichen Effektivzins. In diesem Fall kann sich der Effektivzins also während der Laufzeit ein- oder mehrmals ändern.

Allerdings enthält auch der Effektivzins nicht alle Kosten, die für die Inanspruchnahme eines Kredites anfallen. So werden beispielsweise die Kosten für eine Restschuldversicherung nicht mit in den Effektivzins eingerechnet, ebenso die Kontoführungsgebühren sowie eventuell anfallende Sondertilgungskosten, Bereitstellungszinsen und Schätzkosten.

Die Höhe des Effektivzinses wird zum einen durch den Sollzins, andererseits aber auch durch die Tilgung, die Zinsfestschreibungsdauer und den Auszahlungskurs bestimmt. Letzterer beeinflusst zum Beispiel durch ein in Anspruch genommenes Disagio den Zinssatz.

Wichtig: Die Zinsfestschreibungsdauer

Der effektive Jahreszins soll dafür sorgen, dass verschiedene Kreditangebote hinsichtlich der Gesamtkosten problemlos miteinander verglichen werden können. Dies klappt allerdings nur dann, wenn es sich dabei um Angebote mit jeweils gleicher Zinsfestschreibungsdauer handelt. Variiert die Zinsfestschreibungsdauer, können mehrere Angebote nicht objektiv miteinander verglichen werden, da sich die Kosten im Nachhinein durch Zinserhöhungen noch ändern können.

Sowohl beim Sollzins als auch beim Effektivzins werden die entsprechenden Sätze immer in Prozent (der Auszahlungssumme) pro Jahr (= per anno = p. a.) angegeben.

Fazit zum Thema Sollzins und Effektivzins

Der Sollzins gibt dem Verbraucher kaum die Möglichkeit, verschiedene Kreditangebote objektiv miteinander vergleichen zu können. Daher wurde in Deutschland der Effektivzins bzw. der effektive Jahreszins eingeführt. Auch dieser Zinssatz enthält zwar nicht alle mit dem Darlehen verbundenen Kosten – bei einer Baufinanzierung fallen etwa oft Bereitstellungs- und Bauzeitzinsen an und bei eine Ratenkredit wird den Verbrauchern oft eine zusätzliche Restschuldversicherung empfohlen. Er bildet aber trotzdem ein solides Fundament für die Auswahl des am besten passenden Kredites.

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