Die Ölsorten Brent und WTI
Erdöl wird als Schmierstoff der Weltkonjunktur bezeichnet: Erst mit der Verbreitung von Benzin, Heizöl und vielen anderen Produkten auf Ölbasis kam die industrielle Revolution richtig in Schwung. Der Ölpreis ist bis heute einer der wichtigsten Gradmesser für die weltweite Wirtschaftslage - und für jeden Bürger über die Tankrechnung oder die Heizkosten ein oft großer Punkt in der privaten Ausgabenliste.
Verschiedene Sorten - verschiedene Preise
Allerdings gibt es einen einzigen, weltweit verbindlichen Ölpreis nicht. Wie bei Äpfeln oder Autos kennt Öl verschiedene Sorten von verschiedenen Herstellern, die an verschiedenen Orten verschiedene Preise erzielen können.
Je leichter und je schwefelärmer das Rohöl ist, umso höherwertig wird es eingestuft, da es einfacher verarbeitet werden kann. Aus diesen leichten und schwefelarmen Ölen lässt sich mehr Benzin und Diesel gewinnen als aus schweren schwefelreichen Ölen.
Wegen der vielen verschiedenen Sorten haben sich im Ölhandel drei Referenzsorten (Benchmarks) herausgebildet, die das Handelsgeschäft vereinfachen: Brent für Europa, WTI für die USA und Dubai Crude für Öl aus dem Golf in Richtung Asien.
Die Nordseesorte Brent
Die europäische Leitsorte Brent ist nach einem britischen Ölfeld in der Nordsee benannt. Tatsächlich handelt es sich aber um eine Mischung (Blend) verschiedener Öle aus der Nordsee, die alle sehr hochwertig sind. Gehandelt wird Brent vor allem an der Londoner Rohstoffbörse ICE, der größte Teil wird in Europa verbraucht.
West Texas Intermediate (WTI)
WTI steht für die Ölmischung West Texas Intermediate (auch Texas light sweet genannt). Es ist noch hochwertiger als Brent und stammt aus Quellen an der US-Golfküste und dem Mittleren Westen. WTI versorgt fast ausschließlich den US-Markt.
Die Preise von Brent und WTI weichen voneinander ab. Traditionell ist WTI wegen der besseren Qualität etwas teurer. Wegen eines Überangebots kann es aber auch vorkommen, dass Brent zwischenzeitlich deutlich höhere Preise erzielt.
Völlig unterschiedlich sind die Ansichten darüber, wie lange das Öl noch reicht. Nach Angaben des Ölkonzerns Esso gibt es 175 Milliarden Tonnen sichere Weltölreserven, jedes Jahr werden neue Funde gemacht. Außerdem gibt es darüber hinaus sogenannte Öl-Ressourcen. Das sind Lager, die bekannt sind, aber die sich mit heutiger Technik nicht wirtschaftlich fördern lassen, etwa unter der Tiefsee. Experten der Industrie erwarten, dass Öl nicht ausgeht, sondern dass der Preis irgendwann so hoch steigt, dass andere Energieformen wirtschaftlicher werden.

