Zehn Jahre T-Aktie: Eine Geschichte voller kollektiver Irrtümer
Denn die Aktie kannte jahrelang nur eine Richtung: begrauf. Beim zweiten Börsengang 1999 verlangte die Telekom schon 39,50 Euro für ein Papier und die Anleger rissen es ihr aus den Händen. Auf dem Höhepunkt der High-Tech-Euphorie übersprang die T-Aktie im Frühjahr 2000 sogar die Marke von 100 Euro.
Die magentafarbene Aktie war für viele die Einstiegsdroge. Dass dank der Telekom sogar an der Bushaltestelle über Börsenkurse diskutiert wurde, habe der deutschen Aktienkultur einen enormen Schub gegeben, heißt es beim Deutschen Aktieninstitut (DAI). "Mitte bis Ende der 90er Jahre gab es bei der Zahl der Aktionäre einen deutlichen Sprung nach oben." Zählte das DAI 1996 noch knapp 3,8 Millionen Aktionäre in Deutschland und damit rund sechs Prozent der Bundesbürger, waren es zwei Jahre später schon 4,5 Millionen. Und die nicht enden wollende Börsenrallye zog immer mehr in ihren Bann. Auf dem Höhepunkt im Jahre 2000 besaß fast jeder zehnte Deutsche Aktien.
Ob die plötzliche Popularität allerdings der Aktienkultur immer dienlich war, bezweifelt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Viele haben nicht wirklich begriffen, in was sie da investieren", sagt der Anlegerschützer. Dass es auch mal bergab gehen kann, daran hätten viele nicht gedacht. Aber genau so kam es: Ab März 2000 begann der Fall der T-Aktie. Der dritte Börsengang der Telekom im Juni brachte zwar dem Staat bei einem Anteilspreis von 66,50 Euro einen Milliardenerlös, den Aktionären aber nur Verluste. Im September 2001 stürzte der Kurs erstmals unter den Ausgabepreis des ersten Börsengangs und im Juni 2002 sogar unter die magische Marke von zehn Euro. Zwei Tage später warf Ron Sommer das Handtuch.
"Die Telekom steht symbolisch für den Hype und den Zusammenbruch der ganzen Branche und des Neuen Marktes", sagt Kurz. "Das Problem ist nur: Die Telekom kam anders als viele andere Unternehmen derselben Branche nie wieder aus dem Loch heraus." Zum zehnten Geburtstag dürfen die treuen Anleger der ersten Stunde den Kurs ihrer Volksaktie unten betrachten. Der jüngste Wechsel an der Spitze dürfte daran vorerst auch nichts ändern. Aktionärsschützer Kurz glaubt jedenfalls nicht an alte Höhenflüge: "Einen Telekom-Kurs von 100 Euro: Das erleben wir nicht mehr."
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