Wirtschaft setzt auf Atomkraft - Gewaltige Windenergie-Investitionen

dpa
Bild: Stromleitungen



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Berlin (dpa) - Knapp eine Woche vor dem Energiegipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Atomlobby gewaltige Unterstützung aus weiten Teilen der deutschen Wirtschaft erhalten. Etwa 70 Prozent der vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befragten Unternehmen forderten verlängerte Laufzeiten für Kernkraftwerke, wie Verbandpräsident Ludwig Georg Braun am Dienstag berichtete. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) bekräftigte im Bundestag sein Nein zur Atomenergie. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer hatte zuvor eine verlängerte Laufzeit von Kernkraftwerken als "vernünftige Alternative" bezeichnet und so Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) verteidigt. Dieser hatte Merkel widersprochen, die das Streitthema Kernkraft beim Gipfel am Montag ausklammern will.

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Mit der Unterstützung der Atomkraft hoffen die DIHK-Firmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungssektoren wegen der bereits abgeschriebenen Kraftwerke auf niedrigere Energiepreise. Dies solle auch durch mehr Wettbewerb am Strom- und Gasmarkt bewirkt werden, sagte Braun bei der Vorlage von Energie-Leitlinien des Verbandes. Spätestens Ende 2006 müsse die Regierung ein Gesamtkonzept für "Energie zu bezahlbaren Preisen und Versorgungssicherheit" vorlegen. "Wir brauchen einen marktgesteuerten Energiemix", betonte Braun. Dabei müsse man verlängerte Restlaufzeiten für Kernkraftwerke "zumindest überprüfen". Es sei jedoch "kein Muss", die Zukunft der Atomkraft direkt auf dem Energiegipfel zu thematisieren. Dies könne auch "erst in den Arbeitsgruppen" auf den Tisch kommen.

Während die DIHK-Unternehmen für eingeschränkte Förderung erneuerbarer Energien eintreten, stellte die Windenergiebranche heraus, dass Windstrom im Vergleich zu Kohlestrom schon heute teilweise wettbewerbsfähig sei. Spätestens 2015 werde sich die Marktreife allgemein durchsetzen, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes WindEnergie, Ralf Bischof, bei Vorlage des Windenergie-Reports. Er kündigte einen riesigen Zuwachs an Windstrom an, womit der Abbau von Atomstrom zusätzlich abgesichert werden soll: "Bis 2020 können wir den Windstrom-Anteil von 5 auf 20 Prozent steigern. Dafür wird die Windenergie-Branche über 50 Milliarden Euro investieren."

Nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sollte die künftige Energieversorgung weder auf Atomkraft noch auf Kohle setzen. "Wir erwarten vom Energiegipfel in der kommenden Woche ein klares Signal der Bundesregierung für die klimafreundlichen und sicheren Alternativen", sagte BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm in einem dpa-Gespräch. Diese Alternativen seien neben hocheffizienten Gaskraftwerken die vernachlässigte Kraft-Wärme-Koppelung sowie erneuerbare Energien. Ein riesiges Potenzial stecke im sparsamen und effizienten Umgang mit Energie, betonte Timm. "Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sollte diese Möglichkeiten ernsthaft prüfen, bevor sie sich zu voreiligen Zusagen an die Stromkonzerne wegen deren Investitionslisten hinreißen lässt", forderte Timm.

Für die CSU erklärte Ramsauer in Berlin: "Wir brauchen einen Energie-Mix. Es ist völlig falsch, einen Gegensatz zwischen Kernenergie und erneuerbaren Energien aufzubauen." Auch die Zukunft der Steinkohle müsse angesprochen werden. Im Bundestag vermied die Vizevorsitzende der Unionsfraktion, Katherina Reiche, einen Konflikt um Kernenergie. Die Strategie "Weg vom Öl" müsse zu mehr erneuerbaren Energien führen. "Die Energieforschung muss gestärkt werden, um innovative Produkte auf den Markt zu bringen." Gabriel kommentierte sein Festhalten am Atomausstieg so: "Wir wollen nicht auf Alternativen setzen, die wir für gefährlich halten."



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