Windbranche warnt vor Abstrichen an Windenergie - Deutsche "Spitze"

dpa | 25.01.2005
Bild: Stromleitungen


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Berlin (dpa) - Die Windkraftbranche hat die Bundesregierung aufgefordert, am zügigen Ausbau dieses Stromenergie-Trägers festzuhalten. Die baldige Installation von Windanlagen in Nord- und Ostsee (offshore) dürfe zudem nicht länger durch schleppende Genehmigungsverfahren blockiert werden, verlangten der Bundesverband WindEnergie und der Anlagenverband VDMA Power Systems am Montag in Berlin. Sie reagierten damit auf "schleppende Genehmigungsverfahren" der Behörden und auf Äusserungen von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD). Dieser hatte unter Hinweis auf hohe Ausbaukosten die ehrgeizigen Windenergieziele der Regierung in Zweifel gezogen hatte. Das Ressort will die strittige und inzwischen verzögerte Studie zur Windenergie erst kommentieren, wenn sie vorliegt.

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Eine Sprecherin des Ministeriums bekräftigte: "Jetzt kommt es darauf an, dass das wirtschaftlich Verträgliche in die heutige Landschaft passt." Clement hatte von einem Anstieg der Kosten durch den geplanten Windenergie-Ausbau bis 2015 auf 5,4 Milliarden Euro gesprochen. Anlagenbauer und Windenergiebetreiber bestreiten dies und betonen, Clement habe Kosten der Einspeisung ins Netz mit Umsätzen verwechselt. Der Minister hatte laut die Frage gestellt, ob sich Deutschland solche Summen überhaupt leisten könne.

Das Ministerium will diese Fragen aber erst klären, wenn die dazu - von den Windmühlenbetreibern, Anlagenbauern und grossen Stromkonzernen - verfasste, aber noch verzögerte Studie vorliege. Dies solle in Kürze geschehen, sagte eine Clement-Sprecherin. Das habe der Geschäftsführer der federführenden Deutschen Energie-Agentur (dena), Stephan Kohler, zugesagt. Das Deutsche Windenergie-Institut erwartet eine Veröffentlichung erst Ende Februar. Hier seien noch Einzelheiten abzustimmen, obwohl man sich zuletzt in wesentlichen Punkten näher gekommen sei, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes WindEnergie, Ralf Bischof. "Die Kosten für den Netzausbau und für Reserveenergien liegen deutlich unter den Kosten, die gerne öffentlich diskutiert werden." Er erwarte, dass Clement nicht einseitig für das Kohlerevier argumentiere.

Wie aus der dpa vorliegenden Studie hervorgeht, kostet der Ausbau des Hochspannungsnetzes an Land bis 2015 insgesamt 1,1 Milliarden Euro. Die Investitionen für Seekabel-Anbindungen bis zum Netzanschlusspunkt an Land werden für den Windenergieausbau bis 2015 auf zusammen 5 Milliarden Euro geschätzt. Auch die Ankündigung von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne), dass die Verbraucher durch den Ausbau der erneuerbaren Energien mit nur 1 Cent je Kilowattstunde zusätzlich belastet werden, findet sich in der Studie wieder. Bis 2015 soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung 20 Prozent ausmachen, davon 12,5 Prozentpunkte durch Windkraft.

Unterdessen ist der Anteil der Stromerzeugung aus Windenergie trotz des inzwischen geringeren Neubaus von Windanlagen stetig weiter gestiegen. Bis Ende 2004 waren bundesweit mehr als 16.500 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 16.629 Megawatt installiert, berichtete Jens Peter Molly vom Deutschen Windenergie-Institut. Deutschland bleibe damit vor Spanien Weltmeister. Der Präsident des Windenergie- Verbandes, Peter Ahmels, forderte die Bundesregierung auf, Genehmigungshindernisse vor Ort zu beseitigen. Norbert Giese, Vorstand bei VDMA Power Systems, verlangte Bürgschaften zur Finanzierung erster offshore-Testprojekte.

Mit dem Abbau der Förderung von Windanlagen an Land (bei höheren Anreizen für offshore) geht der Anlagenneubau seit 2003 zurück. Der bis Ende 2004 aufgebauten Leistung nach rangierte Niedersachsen mit 4.470 Megawatt vorne, gefolgt von Brandenburg (2.179), Schleswig- Holstein (2.174) und Nordrhein-Westfalen (2.053).



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