Wie Europa russische Energie sparen will
Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in Brüssel, neue Energiequellen seien nötig. "Kein Sprecher während des Treffens hat das noch ignoriert", meinte Polens Regierungschef Donald Tusk nach dem Treffen mit seinen Amtskollegen am Montagabend. Beide Länder sind in hohem Maße von russischen Lieferungen abhängig.
Deutschland bezog nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur im Jahr 2006 rund 39 Prozent seines Erdgases und 32 Prozent seines Erdöls aus Russland. Für Polen lagen die Zahlen mit 46 Prozent beim Gas und 90 Prozent beim Öl noch deutlich höher. Und es geht noch extremer: EU-Länder wie die Slowakei oder Litauen bezogen sämtliche Gaslieferungen aus Russland und auch fast 100 Prozent ihres Öls. Ebenso hoch ist die Abhängigkeit von russischem Gas in Estland, Finnland, Lettland und - mit Abstrichen - in Bulgarien.
Öl lässt sich mit Schiffen auch aus anderen Erdteilen beschaffen. Beim Gas setzt die EU auf einen Ausbau ihrer Importe von den beiden anderen großen Lieferanten, Norwegen und Algerien. Und mit der sogenannten Nabucco-Leitung von Österreich bis in die Türkei will Europa einen Gas-Anschluss in Richtung Kaspisches Meer, Iran und via Syrien bis Ägypten schaffen. Auch wegen dieser Pipeline - deren Bau noch Ende 2008 beginnen und 2012 enden könnte - ist Georgien für die Europäische Union von strategischer Bedeutung.
Jede Leitung, die russischen Boden meidet und damit russische Kontrolle vermeidet, ist willkommen. Doch Vielfalt der Quellen kann auch anderes heißen: "Wenn die Frage der geografischen Lage der Pipelines natürlich diskutiert wurde, so haben manche Länder die Gelegenheit genutzt, die Notwendigkeit einer Diversifizierung der Energiequellen - und damit den Rückgriff auf die Atomkraft - zu betonen", berichtete ein Gipfelteilnehmer. EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy wirbt schon länger für Frankreichs Atomindustrie.
Die EU-Kommission überlässt die Atompolitik offiziell den Mitgliedstaaten und will die Vielfalt mit alternativen Energien fördern, wie Piebalgs’ Sprecher Tarradellas versichert. Spanien nutze zunehmend die Sonnenenergie statt Gasheizungen. Auch Windstrom helfe, die Abhängigkeit von Importen abzubauen. Erste Priorität habe aber das Energiesparen, betont Tarradellas: "Für uns ist es viel besser, in Doppelfenster zu investieren als in Gas."
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