Wettfahrt ins Grüne: Autoindustrie zwischen Fahrspaß und Klimaschutz
Das neue Öko-Engagement der Autoindustrie soll nach Ansicht von Kritikern von Fehlern der Vergangenheit ablenken. "Die Autoindustrie hat den Trend des Klimaschutzes absolut verschlafen", sagt die Umweltökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. "Das war eher ein Management- als ein Technologieproblem." Es werde mindestens zwei Jahre dauern, bis VW, Mercedes, BMW & Co den Rückstand aufgeholt hätten.
Die deutschen Hersteller mühen sich redlich: Mercedes setzt auf die saubere Bluetec-Dieseltechnik. VW baut sein Umweltlabel Blue- Motion aus und zeigt auf der IAA sechs neue Sparmodelle, darunter einen VW Golf mit 4,5 Litern Verbrauch. Porsche präsentiert eine Hybrid-Studie des spritfressenden Geländewagens Cayenne. Der umweltfreundliche Hybrid - eine Kombination von Elektro- und Ottomotor - wird von mehreren Herstellern gezeigt. BMW bringt ein Spritsparpaket durch alle Modelle auf den Markt mit Start-Stopp- Automatik, die etwa an Ampeln den Motor abschaltet.
Die Schelte ist nach Expertenansicht nicht ganz gerechtfertigt: Die deutschen Marken sind für ihre Ingenieurskunst berühmt und haben den Diesel sauberer gemacht. Manch eine auf der IAA präsentierte spritsparende "Neuheit" wurde schon vor Jahren entwickelt. "Die Automobilindustrie ist in den letzten Jahren alles andere als untätig gewesen, um die CO2-Problematik effizient in den Griff zu bekommen", sagt Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW). Doch seien Fortschritte zu wenig kommuniziert worden: Die Öffentlichkeit sei "erst nach der üblichen Hysterie wach" geworden.
"Die Start-Stopp-Automatik gab es schon vor 30 Jahren und die Bremsenergie-Rückgewinnung seit 10 Jahren", sagt Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland. Der Verkehrsclub fordert, dass diese Techniken in alle Modelle eingebaut werden und nicht auf einige "grüne" Autos beschränkt werden.
Schon mehrfach kam die deutsche Autoindustrie zu spät. Der Dreiwegekatalysator und der Diesel-Partikelfilter wurden lange nach der Konkurrenz eingeführt. Und während Toyota auf der IAA selbstbewusst "Zehn Jahre Hybrid-Serienproduktion" feiert, verspricht der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, die ersten Hybrid-Fahrzeuge aus deutscher Produktion für 2008. Selbst Grünen-Fraktionschefin Renate Künast empfahl den Kauf vergleichsweise sparsamer Toyota-Wagen - zu Unrecht, wie Experten meinen: Deutsche Hersteller sollten darüber aufklären, dass VW- oder Opel-Fahrzeuge in der Summe bessere Verbrauchswerte haben als die Toyota-Flotte.
VDA-Chef Wissmann hat die Richtung vorgegeben, um den Spagat zwischen Fahrspaß und Umweltschutz zu schaffen: "Wir brauchen keine Müsli-Autos. Ein Auto muss auch sexy sein. Es muss emotional begeistern", sagt Wissmann, der den Verband seit Sommer leitet.
Schon mehrfach scheiterte die Autoindustrie an den Käufern: Audi baute in den 90er Jahren das Aluminiumauto A2, das als Sparversion weniger als vier Liter Diesel verbrauchte, aber in den Verkaufsräumen stehen blieb. Der Drei-Liter-Lupo von VW galt als zu teuer. Künftig könnte Autofahren noch teurer werden, doch für Hybrid-Autos ist jedem fünften Autofahrer bereits ein Aufschlag von 1000 Euro zu viel - so das Ergebnis einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC). Zwar stieg laut VDA seit Jahresbeginn die Nachfrage nach sparsamen Autos mit weniger als fü
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