Weltpremiere: Das Handy ist in Hanau künftig Fahrkartenautomat
Abgerechnet wird am Monatsende: "Die Rechnung enthält, ähnlich wie die Telefonrechnung, die Auflistung der unternommenen Fahrten", erläuterte Sparmann. Dabei werde für jede Fahrt der günstigste Preis berechnet, so dass auch Gelegenheitsfahrer nie zu viel bezahlten. "Auch bei den Automaten interessiert ja niemanden die Tarifstruktur, sondern nur, was die Fahrkarte von A nach B kostet." In die Hülle des Mobiltelefons ist ein Chip eingelassen, der die kabellose Funkübertragung (Near-Field-Communication) unterstützt.
11 000 Haltestellen gibt es im RMV-Gebiet. "Das sind 11 000 mal 11 000 Beziehungen zwischen den Haltestellen und dazu 20 verschiedene Fahrkartenformate", sagte Sparmann. "Am Automaten eine Fahrkarte zu kaufen, ist eine äusserst komplizierte Angelegenheit", bemängelte Klaus-Peter Güttler, Ministerialdirigent im hessischen Verkehrsministerium.
Güttler verspricht sich von dem Projekt viel. "Es ist ein Baustein, die Hürden zu beseitigen und mehr Fahrgäste anzuziehen." Auch Sparmann hofft auf mehr Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs und ein genaueres Wissen über das Kundenverhalten. "Den gläsernen Kunden wird es aber nicht geben", sagte Sparmann. Jeder Kunde müsse zustimmen, wenn seine Daten aufgezeichnet werden. "Im übrigen ist das Projekt mit dem Datenschutzbeauftragten des Landes abgestimmt."
Der Fahrkartenkauf soll aber nicht nur für die Kunden einfacher werden, auch den Kontrolleuren in Bussen und Bahnen wird die Arbeit erleichtert: "Ein spezielle Nokia-Kontrolltelefon ermöglicht ihnen das elektronische Auslesen der letzten Fahrten", berichtete Sirpa Nordlund von dem finnischen Handyhersteller.
Mit Hanau als "Versuchskaninchen" habe man bereits gute Erfahrungen gemacht, sagte Sparmann. Im Jahr 2002 ist in der osthessischen Stadt bereits ein chipbasiertes Einsteige-System installiert worden, das derzeit rund 6000 Fahrgäste nutzen. "Die Infrastruktur für das Handyprojekt ist also schon vorhanden", sagte der Vorstandsvorsitzende der Hanauer Strassenbahn AG, Ulrich Hoffmann. Die Investitionskosten hielten sich daher in Grenzen.
Im Erfolgsfall will der RMV die Handyfahrkarte, die momentan nur mit dem Telefontyp 3220 funktioniert, im gesamten Verbund einsetzen. "Die Technik funktioniert weltweit", sagt Stefan Steinmeier vom Halbleiter-Hersteller Philips. In Deutschland hätten bereits die Verkehrsverbünde Oberelbe, Rhein-Ruhr und Rhein-Sieg Interesse bekundet. "Idealerweise kann man künftig auch in New York oder Hongkong die Fahrkarte mit dem eigenen Handy bezahlen."
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