Wechsel des Gasversorgers zum 1. Oktober ist ein Herbstmärchen

dpa | 28.09.2006
Bild: palniki gazowe

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Bonn (dpa) - Es hörte sich gut an, als vor Monaten führende Gasversorger ankündigten, Kunden würden vom 1. Oktober an ihren Anbieter frei wechseln können. In Wirklichkeit entpuppt sich dieses Stichtagsziel als märchenhafte Absichtserklärung - fern einer praktikablen Umsetzung. Von einer Wahl unter Konkurrenzangeboten können die rund 17 Millionen Gaskunden in Deutschland vorerst weiter nur träumen. Stattdessen werden sie nun zum 1. Oktober (dem Beginn des neuen Gaswirtschaftsjahres) landauf, landab mit weiteren Gaspreiserhöhungen konfrontiert.

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Führende Versorger haben sich nach entsprechenden gesetzlichen Vorgaben auch selbst zur Öffnung ihrer Netze verpflichtet. Und für einen freien Zugang zu den Netzen der Betreiber, der zum 1. Oktober wirksam werden sollte, stellte die Bundesnetzagentur gemeinsam mit der Branche die Weichen. Aber es fehlt, anders als auf dem Strommarkt, an alternativen Anbietern. "Wenn keiner kommt, nutzt das beste Modell nichts", sagte Netzagentur-Chef Matthias Kurth schon vor Monaten.

Nun sei genau das eingetreten, was Kritiker der etablierten Branche vermutet hätten, sagte Gasexperte Andreas Jahn vom Bundesverband Neuer Energieanbieter (bne) der dpa. "Die Grundlagen für einen Wechsel sind weiter unklar. Von den vollmundigen Ankündigungen der Gaswirtschaft ist in der Praxis nichts übrig geblieben." Nur in Berlin und Hamburg sei als Pionier der niederländische Konzern Nuon (Nuon Deutschland GmbH) punktuell als alternativer Anbieter aktiv geworden. "Sonst ist der Endkunde weiter dem örtlichen Anbieter ausgeliefert."

Auf dem deutschen Markt sind rund 700 Gasversorger (meist Stadtwerke und regionale Unternehmen) tätig. Mit Abstand größter Gasverkäufer ist E.ON Ruhrgas mit mehr als 60 Prozent Marktanteil. Die Stadtwerke wollten die an sie gestellten Erwartungen erfüllen "und stellen sich dem Wettbewerb" erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Michael Schöneich, zu dem Öffnungstermin. Er schränkte allerdings ein, dass "noch nicht alle Details der Abwicklungsprozesse" für Wechsel funktionierten, "vor allem weil die erforderlichen Software-Lösungen noch nicht vollständig bereit stehen".

Dies hätte allerdings längst der Fall sein müssen, kritisierte Jahn. Auch die Situation bei den Gas-Netzentgelten sei noch weitgehend unklar, so dass es für potenzielle Neuanbieter nicht möglich sei, genau zu kalkulieren. Nach wie vor seien daneben schließlich noch die Modalitäten des Netzzugangs strittig. Hier werde noch ein längerer Klärungsprozess nötig sein. "Leidtragender der Verzögerungen sind wieder einmal die Verbraucher."

Trotz Liberalisierung und den Öffnungsbemühungen von Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur hat sich an der geschlossenen Gesellschaft des Gasmarkts bisher wenig geändert. Die Netze sind fest verteilt und der Endkunde sieht sich einem Monopolangebot gegenüber. Unabhängige Händler wurden bislang durch einen komplizierten Netzzugang mit unterschiedlichen Betreibern von separaten Überland-, Regional- und Ortsnetzen abgeschreckt. Hier seien auch keine schnellen Änderungen zu erwarten, sagte der Saarbrücker Energieexperte, Prof. Uwe Leprich. Der Markt sei "extrem vermachtet".

Der Bund der Energieverbraucher rät angesichts der mangelnden Konkurrenz und den Preiserhöhungen weiter zur Konfrontation: "Ihr Gasversorger ist verpflichtet, Sie mit angemessen günstigen Preisen zu versorgen. Unrechtmäßig hohe Gaspreise müssen Sie nicht bezahlen." Der Bund empfiehlt: "Schreiben Sie Ihrem Versorger und verlangen den Nachweis, dass seine Preise angemessen sind. Bis zur Klärung zahlen Sie einen von Ihnen festgelegten, geringeren Preis."



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