Vor- und Nachteile: So funktioniert kontaktloses Bezahlen

AFP | 11.06.2015
Bild: Shopping ©Andres Rodriguez/fotolia.com

Frankfurt/Main - Bei Aldi Nord können Verbraucher ihre Einkäufe seit Dienstag kontaktlos per Smartphone oder EC-Karte bezahlen. Auch andere Einzelhändler bieten die neue Art des Zahlens an. Fragen und Antworten.


Wie funktioniert kontaktloses Bezahlen?

Kontaktloses Bezahlen funktioniert mit speziellen EC-Karten, Kreditkarten oder Smartphones. EC- und Kreditkarten müssen mit Mikrochips ausgestattet sein, die Zahlungsdaten speichern und an Lesegeräte an Kassen übermitteln können. Smartphones müssen mit SIM-Karten ausgestattet sein, welche die sogenannte Nahfeldkommunikation (NFC) unterstützen.

Karten zum kontaktlosen Bezahlen müssen teils mit Guthaben aufgeladen werden, teils werden Zahlungen von Konten abgebucht. Teils müssen Verbraucher beim berührungslosen Zahlen eine Geheimzahl eingeben, teils unterschreiben, teils nur die Karte auflegen. In manchen Fällen sind Zahlungen nur bis zu einem bestimmten Betrag möglich.

Welche Mobilfunk- oder Finanzanbieter ermöglichen kontaktloses Bezahlen?

Bei Sparkassen und Banken ist kontaktloses Bezahlen mit dem Service "girogo" möglich. Die Funktion ist kostenlos und automatisch in alle neuen EC-Karten der Sparkassen integriert. Auch einige Volksbanken machen mit - derzeit im Raum Hannover, Wolfsburg, Braunschweig. Um mit "girogo" zahlen zu können, müssen Kunden ihre Karte zunächst aufladen. Maximal möglich sind 200 Euro.

Alle drei großen Mobilfunkanbieter, die Deutsche Telekom, Telefónica mit O2 und E-Plus sowie Vodafone bieten sogenannte Wallet-Apps an. Nutzer können Sie auf ihr NFC-Smartphone laden und dann darüber bezahlen. Der US-IT-Konzern Apple startet seinen digitalen Bezahldienst Apple Pay bald auch in Europa - zunächst allerdings nur in Großbritannien. Auch Konkurrent Google hat mit Android Pay einen eigenen Bezahldienst. Bezahlt werden kann damit zunächst nur in den USA.

Wo ist kontaktloses Bezahlen in Deutschland bereits möglich?

Der Handelsverband Deutschland (HDE) schätzt, dass es ungefähr rund 50.000 Kassen-Terminals in Deutschland gibt, an denen kontaktloses Zahlen möglich ist. Im April starteten Netzanbieter und Händler in Berlin die Initiative "NFC City Berlin". Rund 2000 NFC-Terminals wurden dabei in Filialen von Kaufhof, Obi, Real, Rewe, Penny und Kaisers installiert. Edeka rief vor rund zwei Jahren für dieselbe Region einen eigenen kontaktlosen Bezahldienst ins Leben. Seit Dienstag kann außerdem bei Aldi Nord kontaktlos per Smartphone sowie Maestro- oder V-Pay-Debitkarte von Visa bezahlt werden.

Was sind Vorteile und mögliche Gefahren?

Die Wirtschaft argumentiert, durch den kontaktlosen Dienst werde das Bezahlen im Geschäft schneller und bequemer. Aus Sicht von Verbraucherschützern sind die Risiken jedoch nicht zu unterschätzen: Bei Bargeld in der Geldbörse können Verbraucher - je nach Gewohnheit - leichter den Überblick behalten. Zudem besteht etwa bei Verlust oder Diebstahl der Karte oder des Handys die Gefahr, dass Fremde bis zur Sperrung einkaufen gehen können - wenn vielleicht auch nur für kleinere Beträge.

IT-Experten warnen zudem vor den Gefahren künftiger Smartphone-Viren. Bereits in der Vergangenheit gab es daneben Warnungen, dass NFC-Chips bei geringer Entfernung von wenigen Zentimetern auch durch Unbefugte ausgelesen werden könnten.

Was sind die Interessen der Wirtschaft?

Verbraucherschützern zufolge verspricht sich die Wirtschaft vom kontaktlosen Bezahlen, dass Verbraucher leichtherziger Geld ausgeben. Daneben liegt in den Geschäften weniger Geld in den Kassen. Banken könnten im Prinzip darüber nachdenken, weniger Geldautomaten aufzustellen, wenn sich der Service durchsetzt.



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