UN-Klimareport - Mahnung für Politik auf zehn Seiten
Der Zwang zur Einigung berge zwar die Gefahr, dass der Text in seiner Schärfe abgemildert wird, sagt der Klimaforscher. "Aber das ist der Preis dafür, dass der Bericht anschließend Konsens ist. Und daraus ergibt sich seine Bedeutung für Bali." Denn: "Jedes Statement, das im Konsens von allen Regierungen der Welt akzeptiert wird, ist im Prinzip unumstößlich."
Die bisherigen Zusammenfassungen der Klimareports seien aus der fachlichen Sicht der jeweiligen Gruppen verfasst, erklärt Hohmeyer. In Valencia soll daraus das Gesamtbild zusammengefügt werden. "Regierungen, die möglichst wenig für den Klimawandel tun möchten, scheuen Syntheseberichte wie der Teufel das Weihwasser", sagt der in Verhandlungen geübte Forscher. "Die Amerikaner und die Saudis wollten einen Synthesebericht ganz verhindern." Als klar wurde, dass es dennoch ein solches Dokument geben würde, habe er auf Wunsch der Kritiker erst im Januar 2008 erscheinen sollen nach der großen Konferenz auf Bali.
"Der Synthesebericht wird die Dringlichkeit des Handelns klar machen - egal, wie weichgespült er ist. Und wenn das auf zehn Seiten konzentriert ist, kann niemand sagen, er habe keine Zeit gehabt, es zu lesen. Die Nachrichten sind so einfach, dass ein Handlungsdruck erzeugt wird", sagt Hohmeyer.
Der Report greift auf Daten bis etwa Mitte 2006 zurück. Daher ist etwa der im Oktober 2006 veröffentlichte und viel beachtete Bericht des Ökonomen Nikolaus Stern nicht enthalten. Der sagt, kurz gefasst, dass es billiger ist, den Klimawandel jetzt zu bremsen, statt in Jahrzehnten seine Folgen zu bezahlen. Auch weitere neueste Forschungsergebnisse sind noch gar nicht Teil des Reports. "Dann wäre er noch schärfer und warnender ausgefallen", sagt der Leiter des Europäischen Büros der Umweltstiftung WWF für Klima und Energiepolitik, Stefan Singer. Der WWF hat Beraterstatus.
Auch viele weitere Daten seien inzwischen noch dazugekommen. Der Meeresspiegel steige voraussichtlich schneller als im Bericht erwartet, sagt Singer. Die seinerzeit veranschlagten 20 bis 60 Zentimeter erscheinen - nach neueren Untersuchungen von Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung - als zu niedrig. Auch gebe es neues Wissen über Rückkopplungen: Wenn mehr (weißes) Polareis schmilzt, wird weniger Sonnenlicht zurückreflektiert. Es erhitzt das (dunklere) Wasser stärker und lässt wiederum mehr Eis schmelzen.
Viele Forscher und der WWF halten daher unter anderem sogar einen Anstieg des Meeresspiegels um 1,40 Meter in diesem Jahrhundert für möglich. "Was der IPCC präsentiert, ist der Konsensus am konservativen Ende. Die neue Literatur, die nicht ausgewertet werden konnte, ist dramatischer", sagt Singer.
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