Umweltorganisationen kritisieren Energieszenarien der Regierung
Berlin - Umweltverbände und Wissenschaftler bewerten die Energieszenarien, die die Bundesregierung vorgelegt hat, als unrealistisch. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) genannten möglichen 10 bis 15 Jahre Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke seien eine "politische Festlegung", so Regine Günther, Leiterin Klima- und Energiepolitik des WWF Deutschland, am Donnerstag in Berlin. Dieser Zeitraum sei aus dem Fachgutachten zur Energieversorgung "nicht ablesbar". In einer Stellungnahme erklärt der WWF, dass sich positive Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt, auf den Arbeitsmarkt oder den Klimaschutz im Falle längerer Laufzeiten nicht aus dem Gutachten schlussfolgern ließen.
Auch Felix Matthes vom Öko-Institut erhob Bedenken gegen das Gutachten. Viele Annahmen der Gutachter seien "unplausibel", sagte Matthes und nannte als Beispiel die Strompreisannahmen auf Großhandelsebene. "Die Modellierung der Großhandelspreise ist weltfremd, weil davon ausgegangen wird, dass die Preise an der Strombörse sehr stark sinken", sagte Matthes. Robuste Argumente für Laufzeitverlängerungen ließen sich damit aus den vorgelegten Studienergebnissen nicht überzeugend ablesen, heißt es auch in einer von Matthes erstellten Kurzanalyse.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warf der Bundesregierung vor, einen bevorstehenden Einbruch des Ausbaus der erneuerbaren Energien bewusst einzukalkulieren. Ein Blick in die Szenarien zeige, dass der Ausbau schon vor dem Jahr 2020 gebremst und danach erheblich heruntergefahren werden solle, sagte DUH-Experte Gerd Rosenkranz. Die Ausbauziele sämtlicher Szenarien für Sonne und Wind lägen deutlich unter dem, was die Bundesregierung vor nicht einmal einem Monat in ihrem Aktionsplan für erneuerbare Energien an die EU-Kommission nach Brüssel gemeldet habe.
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