Telekom wegen Mautdebakel und Dividendenausfall unter Beschuss
Durch den Verzicht auf eine Dividende in den vergangenen zwei Jahren habe die Telekom ihren Schuldenberg drastisch gesenkt. Seit dem Spätherbst 2002 bis Ende März 2004 sanken die Verbindlichkeiten des grössten Telekommunikationskonzerns Europas um rund 20 Milliarden Euro auf 44,6 Milliarden Euro. Ricke hatte den rosaroten Riesen nach einem Rekordverlust von fast 25 Milliarden Euro 2002 im vergangenen Jahr wieder in die Gewinnzone geführt. Bei einem Umsatz von 55,8 Milliarden Euro wurde 2003 unter dem Strich ein Überschuss von 1,3 Milliarden Euro erzielt.
Die Doppelstrategie aus Schuldenreduzierung und Förderung des profitablen Wachstums sei aufgegangen. "Wäre da nicht der Makel mit der Maut gewesen - ich wäre mit dem vergangenen Geschäftsjahr zufrieden", sagte der Konzernchef vor rund 7000 Aktionären in der KölnArena. Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf nannte das Maut-Debakel "die Lachnummer der vergangenen 12 Monate".
Viel zu spät habe der Vorstand die Brisanz des Themas erkannt. Wegen der Mautpleite forderte ein Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sogar die Nichtentlastung des Vorstandes. Die Telekom ist gemeinsam mit DaimlerChrysler und dem französischen Autobahnbetreiber Cofiroute Partner in dem Betreiberkonsortium Toll Collect. Die Pannenserie bei Mauteinführung führte in der Telekom- Bilanz 2003 und im ersten Quartal 2004 zu Belastungen in Höhe von insgesamt 590 Millionen Euro.
Von zahlreichen Aktionärsvertretern begrüsst wurde die Ausrichtung des Unternehmens auf die Geschäftsfelder Breitband, Mobilfunk und Geschäftskunden. Aus diesen Sparten will die Telekom künftig ihr profitables Wachstums schöpfen. "Wir werden uns konsequent auf die drei strategischen Geschäftsfelder ausrichten, aber dabei nicht den gesamten Konzern auf den Kopf stellen", unterstrich Ricke.
Damit meinte der Konzernchef die vier Säulen Festnetz (T-Com), Mobilfunk (T-Mobile), Internet (T-Online) und das Systemgeschäft (T-Systems). Mit dieser divisionalen Struktur habe sich die Telekom schliesslich eine hervorragende Position erarbeitet. Und die müsse weiterentwickelt werden. "Säulen gehören ins benachbarte Römisch-Germanische-Museum", sagte dagegen ein Vertreter der Fondsgesellschaft DWS und drohte angesichts der unklaren Strategie unverhohlen: "Wir haben auch andere Investitionsmöglichkeiten".
Unterdessen hat die Telekom nach dem drastischem Schuldenabbau den Ausbau des internationalen Geschäfts wieder stärker ins Blickfeld genommen. Dies schliesse auch selektive Zukäufe ein, sofern sie zur Steigerung des Unternehmenswertes beitragen. Ricke nannte in diesem Zusammenhang die Beteiligung an dem polnischen Mobilfunkbetreiber PTC, den die Telekom ganz übernehmen möchte. Osteuropa stehe vor dem Hintergrund der EU-Erweiterung besonders im Fokus. Doch Ricke schränkte ein: "Wir sind nicht auf dem Akquisitionspfad".
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