Telekom-Vorstand will Zumwinkel-Entlastung aufschieben
Bonn - Die Deutsche Telekom will Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel auf der Aktionärsversammlung wegen der Ermittlungen zur Spitzelaffäre zunächst nicht entlasten. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen vor, die Entlastung bis zur nächsten Hauptversammlung im Jahr 2010 zu vertagen. Dies geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Einladung zur Hauptversammlung am 30. April hervor. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt seit fast einem Jahr gegen den früheren Post-Chef Zumwinkel. Dabei geht es um die illegale Überprüfung von Telefonverbindungen von Aufsichtsräten, Betriebsratsangehörigen und Journalisten in den Jahren 2005 und 2006.
"Wir haben erst im Jahr 2008 Hinweise bekommen, dass das, was wir bis dahin als Einzelsachverhalt eingeschätzt haben, eine größere Dimension hat", sagte ein Telekom-Sprecher. Angesichts der Ermittlungen hielten es Vorstand und Aufsichtsrat für angemessen, den Beschluss zu vertagen. "Es ist nur konsequent, im laufenden Verfahren keine Entlastung auszusprechen", sagte auch ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder, der für die Arbeitnehmerseite im Telekom- Aufsichtsrat sitzt.
Erst am vergangenen Freitag hatte die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Spitzelaffäre die Anwesen von Zumwinkel und Ex-Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke durchsucht. Die Bonner Staatsanwaltschaft will klären, ob Zumwinkel und Ricke von dem Vorgehen wussten und welche Rolle sie spielten. Der Konzern hatte durch das Ausspähen von Verbindungsdaten wohl der Weitergabe von Interna etwa aus dem Aufsichtsrat auf die Spur kommen wollen. Die Telekom selbst hatte im Mai 2008 Anzeige erstattet und betreffende Unterlagen der Staatsanwaltschaft übergeben. Die neue Unternehmensführung um Vorstands-Chef René Obermann hatte nach eigenen Angaben keine Kenntnis von den Vorgängen aus früheren Jahren. Insgesamt sollen etwa 60 Personen von den Maßnahmen betroffen sein. Auch ver.di-Chef Frank Bsirske soll ausgespäht worden sein.
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