Tauziehen beendet - E.ON kann Ruhrgas übernehmen
Nach dem Verhandlungsmarathon blickte E.ON-Vorstandschef Ulrich Hartmann nach vorn: "Beim Ausbau unseres Gasgeschäfts können wir jetzt durchstarten und so im Wettbewerb mit den anderen grossen europäischen Gasunternehmen mithalten."
Die Börse reagierte positiv: Die E.ON-Aktie kletterte gegen den Trend im Aktienindex DAX bis Freitagnachmittag um rund 3,3 Prozent auf 41,80 Euro. E.ON erwirtschaftete 2001 einen Umsatz von 79,6 Milliarden Euro und hat weltweit rund 110 000 Beschäftigte.
Der Konzern kann nun den Erwerb des Essener Ferngasimporteurs sofort vollziehen. E.ON erhält die Ruhrgas-Anteile des Essener Bergbaukonzerns RAG, der wiederum die Mehrheit am weltgrössten Spezialchemiehersteller Degussa von E.ON übernimmt.
In einem zweiten Schritt will E.ON auch die von den Ölkonzernen Shell und ExxonMobil gehaltenen Ruhrgas-Beteiligungen sowie die Anteile weiterer Aktionäre kurzfristig kaufen.
Die Zugeständnisse an die Gegner Ampere, ares, GGEW, Trianel sowie die Stadtwerke Aachen und Rosenheim haben nach E.ON-Angaben ein Volumen von rund 90 Millionen Euro. Dabei geht es um Strom- und Gaslieferungen, die Abgabe von Anlagen und Beteiligungen sowie sonstige Zuschüsse.
Mit dem drittgrössten deutschen Energieversorger Energie Baden- Württemberg (EnBW) und dem finnischen Staatskonzern Fortum vereinbarte E.ON umfangreiche Tauschgeschäfte. Unter anderem übernimmt E.ON von EnBW eine Beteiligung an der Hamburger Concord. Fortum teilte in Helsinki mit, es seien Beteiligungen im Wert von etwa 800 Millionen Euro getauscht worden.
Der Geschäftsführer des Aachener Energiehändlers Trianel, Reinhard Goethe, sprach von einem "guten Ergebnis". Die Kläger hätten ihren Widerstand aufgegeben, weil E.ON und Ruhrgas ihnen einen verbesserten Zugang zum Gasnetz zugesagt hätten. Damit seien die Wettbewerbschancen der kleineren Unternehmen verbessert worden.
Aus Sorge vor Nachteilen für den deutschen Energiemarkt hatte das Bundeskartellamt Anfang 2002 die Ruhrgas-Übernahme zunächst verboten. Einige Monate später hatte das Berliner Wirtschaftsministerium eine Ministererlaubnis erteilt und damit grünes Licht für die Übernahme gegeben.
Gegen diese umstrittene Entscheidung hatten zahlreiche Energieversorger Beschwerde beim Kartellsenat des Düsseldorfer OLG eingereicht. Dieses hatte den Vollzug wegen Verfahrensfehlern im August 2002 dann auf Eis gelegt. Durch die Einigung knapp eine Stunde vor Verkündung des OLG-Beschlusses vermied E.ON nach Einschätzung von Rechtsexperten eine drohende Niederlage im Hauptsacheverfahren.
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