Südafrikas Energiepolitik: Sonne satt, aber kaum Nutzung
Die Regenbogen-Nation, für die das Wort Energiesparen angesichts jahrelang vorhandenen Billig-Stroms ein Fremdwort war, entdeckt zögernd die Vorzüge von Alternativen. Sie fürchtet zugleich den Abschied vom Rekord der weltweit günstigsten Strompreise. Eine vor kurzem präsentierte Studie sagt dem Land sogar eine handfeste Energiekrise für die Zeit der Fußball-WM voraus. Nicht umsonst bestand der Welt-Fußballverband Fifa auf der Forderung nach einer Notstromversorgung für alle WM-Stadien.
Denn die von 20 000 Megawatt im Jahr 1994 auf heute 38 368 Megawatt (MW) gestiegene Kapazität des staatlichen Energiekonzerns Eskom reicht bei weitem nicht mehr aus zur Bedarfsdeckung. Eine Entspannung der Lage ist trotz langfristigen Investitionsprogramms von 204 Milliarden Rand (20 Mrd Euro) kaum vor 2013 in Sicht.
Da hilft auch die Reaktivierung dreier veralteter, eingemotteter Kohle-Kraftwerke weiter. Das Schwellenland gewinnt 90 Prozent der Energie aus der im Lande reichlich vorhandenen Kohle - entsprechend hoch ist die Luftverschmutzung. Global fällt Südafrika zwar als Umweltverschmutzer kaum ins Gewicht. Doch der World Wide Fund for Nature (WWF) hat dem Staat in einer Studie vorgerechnet, fünf bis zehn Mal weniger effektiv bei der Reduzierung des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes zu sein als die USA, England oder Japan. Von 1980 bis 2004 verdoppelte er sich und liegt nur knapp unter dem britischen Wert.
Der billige Strom lockte wiederum Unternehmen mit hohem Strombedarf - etwa aus dem Aluminiumbereich - und erhöhte den Druck in einem Land, das von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen sein wird. Das Umweltministerium rechnet in den kommenden Jahrzehnten mit einer Erwärmung zwischen 1 und 3 Grad Celsius und einer Reduzierung der Niederschläge um bis zu 10 Prozent. Südafrika sieht eine Antwort auf die Herausforderung in der Atomenergie, deren Anteil bis 2025 von heute 7 auf 16 Prozent steigen soll. Bei alternativer Energie beschränkt es sich jedoch auf Vorzeigeprojekte.
Ein Windpark bei dem Ort Darling ist so eines - der Betreiber musste jahrelang vor Gericht die nötigen Betriebsgenehmigungen erkämpfen. Oder ein angedachtes Solarprojekt, das nach 2025 dann 100 MW Leistung liefern soll - sofern bis dahin Investoren gefunden wurden.
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