Studie: Windindustrie verschläft Instandhaltungsgeschäft
München - Die Windenergie gehört weltweit zu den gefragtesten der erneuerbaren Energien. Die meisten Windanlagenbauer orientieren sich einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman zufolge jedoch in die falsche Richtung. In den kommenden zehn Jahren werden mehr als 90 Prozent der neu installierten Leistung an Land aufgebaut, und nicht Offshore, also vor den Küsten. Dies erklärten die Experten am Dienstag in München. Das schnellste Wachstum weise das Instandhaltungsgeschäft aus - und darauf "ist das Gros der Hersteller noch nicht ausreichend vorbereitet", so Wyman-Experte Henning Thormählen.
"Der aktuelle Offshore-Hype entzieht dem Onshore-Geschäft die Aufmerksamkeit, obwohl dieses in den nächsten zehn Jahren wesentlich größer ist, die Produkte ausgereifter und die Anlagen deutlich wirtschaftlicher sind", heißt es in der Studie. Die an Land installierte Windkraftkapazität werde sich bis zum Jahr 2020 vervierfachen von heute 192 auf 825 Gigawatt. Wachstumstreiber sei Asien, das in zehn Jahren mit 290 Gigawatt vor den USA mit 211 und Europa mit 207 Gigawatt liegen werde. In Deutschland deckten heute 21.300 Windkraftanlagen 6,6 Prozent des Stromverbrauchs und lägen damit vor Wasserkraft und Biomasse mit je 3 Prozent und Photovoltaik mit lediglich 1 Prozent.
Aber wegen der Wirtschaftskrise sei die weltweite Nachfrage zurückgegangen, es gebe Überkapazitäten von 20 bis 25 Prozent, die Preise fielen, und viele kleine Anbieter "werden vom Markt verschwinden", sagt die Unternehmensberatung voraus. Umso gravierender sei die Vernachlässigung des Servicegeschäfts, denn es "wächst weltweit fast doppelt so schnell wie der Verkauf von Neuanlagen". In Europa werde die Nachfrage nach Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten von heute knapp 3 Milliarden Euro auf 8 Milliarden Euro im Jahr 2020 steigen und damit 40 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmachen. Weltweit werde sich die Nachfrage sogar auf 27 Milliarden Euro verfünffachen. "Der Service wird zur Profitmaschine der Windindustrie", sagte Thormählen.
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