Studie: Stadtwerke sehen Regulierung kritisch, steigende Energiepreise
Die Stadtwerke in Deutschland schätzen die Erfolgschancen der neuen Regulierungsbehörde für den Energiesektor gering ein. Aus ihrer Sicht wird die Bundesnetzagentur, die den Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt überwachen soll und voraussichtlich im Sommer dieses Jahres ihre Arbeit aufnehmen wird, ihre wichtigsten energiepolitischen Ziele verfehlen und nicht zu niedrigeren Strom- und Gaspreisen für den Endverbraucher führen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die auf einer Befragung der Vorstände und Geschäftsführer von 102 deutschen Stadtwerken und regionalen Energieversorgern beruht.
Mehrheit der Unternehmen erwartet steigende Preise für Endverbraucher
Auch wenn nahezu alle Vorstände und Geschäftsführer davon ausgehen, dass die Netznutzungsentgelte sinken oder zumindest stabil bleiben werden, ist die Mehrheit der Unternehmen (58 Prozent) der Meinung, dass die Endverbraucherpreise steigen werden. Nur 14 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Regulierung zu sinkenden Endverbraucherpreise führen wird. 27 Prozent erwarten stabile Endverbraucherpreise.
Diese Einschätzung der Befragten erklärt sich insbesondere durch die höheren Kosten, die aufgrund der Regulierung und des Unbundling entstehen und am Markt weitergegeben werden. "Auf die Unternehmen kommen erhebliche neue Berichtspflichten und damit zusätzliche Kosten zu“, kommentiert Helmut Edelmann, Autor der Studie und Direktor Energieversorgung bei Ernst & Young. Ebenso spielen die steigenden staatlichen Lasten und Abgaben sowie die sehr hohe Marktkonzentration im Erzeugungsbereich eine Rolle. "Die wenigsten Stadtwerke erzeugen ihren Strom selber. Sie beziehen ihn zumeist von den grossen Energiekonzernen, die aufgrund ihrer Marktmacht erheblichen Einfluss auf die Preise nehmen können“, stellt Edelmann fest.
"Durch die Regulierung werden bis zu 100 neue Berichts-, Informations- und Veröffentlichungspflichten eingeführt“, so Gerd Lützeler, Leiter des Bereichs Energieversorgung bei Ernst & Young. "Auf die Unternehmen kommt damit eine Flut neuer Aufgaben zu. Sie müssen zu eventuellen Versorgungsunterbrechungen, zur Jahreshöchstlast oder auch zur vorgesehenen Einspeisung von Windenergie Auskunft geben“. Diese Aufgaben werden bei den Stadtwerken erhebliche Managementkapazitäten binden. Dies gilt auch für die Vorbereitung auf das Unbundling. Zudem müssen sich die Unternehmen auf die Regulierung der Netznutzungsentgelte einstellen und ein systematisches Kostenmanagement implementieren.
Skepsis bei energiepolitischen Zielen
Die Regulierung wird aus Sicht der Stadtwerke nicht nur zur Folge haben, dass die Strom- und Gaspreise für Endverbraucher eher steigen als sinken werden. Auch die übrigen energiepolitischen Ziele der Regulierungsbehörde werden – so die mehrheitliche Meinung der Stadtwerke – kaum erreicht werden: 55 Prozent der Unternehmen sind davon überzeugt, dass die Regulierung das Ziel, mehr Wettbewerb auf dem Energiemarkt zu schaffen, nicht erreichen wird. Lediglich 42 Prozent der Stadtwerke und Regionalversorger vertreten die Ansicht, dass die Regulierung dieses Ziel erreichen wird.
Zudem befürchten viele Befragten, dass sich die Regulierung negativ auf die Versorgungsqualität (62 Prozent) und die Umweltverträglichkeit der Energieversorgung (59 Prozent) auswirken wird. "Die breite Skepsis gegenüber der Regulierung erscheint in vielen Bereichen gerechtfertigt“, kommentiert Edelmann. Allerdings entstünden für die Unternehmen auch neue Chancen. "Jeder Netzbetreiber ist jetzt gezwungen, seinen gesamten Anlagenbestand auf den Prüfstand zu stellen, um zu sehen, welchen Deckungsbeitrag jede einzelne Anlage leistet. Hier werden noch manche Überraschungen zu Tage treten“, so Edelmann.
Selbst bei Zielen wie der Schaffung eines transparenten Marktes für alle Marktteilnehmer und der Verhinderung des Missbrauches einer marktbeherrschenden Stellung sind nur 39 bzw. 38 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass die Regulierung hier positive Wirkungen zeigen wird.
Lediglich beim Ziel eines diskriminierungsfreien Netzzugangs besteht eine hohe Übereinstimmung, dass hier ein positiver Effekt durch die Regulierung eintritt. 72 Prozent der Befragten vertreten die Meinung, dass die Regulierung zumin
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