Studie: Kohle- und Atomstrom verlangsamen Ökostrom-Ausbau

dpa | 04.03.2010
Bild: Mädchen mit Windrose vor Windrädern


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Berlin - Der von der Regierung geplante Übergang von Kohle- und Atomstrom ins Energiezeitalter der erneuerbaren Energien dürfte nach Ansicht von Ökoenergie-Branche und Wissenschaftlern steinig werden. Die nur schwer regulierbaren alten Kohle- und Atomkraftwerke, die noch der Deckung des täglichen Mindeststrombedarfs (Grundlast) dienen, passten nicht mit dem Ausbau erneuerbarer Energien zusammen. Das stellte das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES/Kassel) in einer am Montag veröffentlichten Studie fest. Ihr Auftraggeber, der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), und die Deutsche Umwelthilfe sahen sich in ihren Auffassungen bestätigt: Eine Laufzeitverlängerung von Atommeilern sei genau der falsche Weg.


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Ausgangspunkt ist die klima- und energiepolitische Entscheidung der Koalition, erneuerbare Energien auszubauen und den Vorrang ihrer Einspeisung ins Stromnetz nicht anzutasten. Dabei ist dem nach Wetterlage schwankenden Wind- und Sonnenkraft-Angebot Rechnung zu tragen. Mit dem Ausbau von Ökostrom werde der Bedarf an klassischen Grundlastkraftwerken bereits in den nächsten zehn Jahren drastisch gesenkt, erläuterte IWES-Leiter für Energiewirtschaft, Michael Sterner. "Es werden Kraftwerke benötigt, die vor allem flexibel der variablen Einspeisung von Strom aus Wind und Sonne folgen können. (...) Was wir in Zukunft benötigen, sind flexible Kraftwerke für die Mittel- und Spitzenlast, die schnell an- und abgefahren werden können und dabei robust bleiben."

In der Übergangsphase seien Schwankungen des Angebots über schnell reagierende Kraftwerke, Gaskraftwerke und großräumige transnationale Stromverbindungen auszugleichen. Langfristig könne die Versorgung mit Hilfe starker Netze und Energiemanagement (neue Speichermedien wie Elektroautos und Kombikraftwerke) vollständig regenerativ erfolgen. Sterner: "Zu den neuen Speichermöglichkeiten gehöre die Erzeugung von Methan aus Windenergie, das dann im vorhandenen Erdgasnetz und in Gaskraftwerken genutzt werden kann." Ausgangspunkt des IWES-Modells sind BEE-Annahmen, wonach der Ökostrom-Anteil von jetzt 16 Prozent (2009) bis 2020 drastisch auf 47 Prozent erhöht werden kann.

Umwelthilfe-Geschäftsführer Rainer Baake äußerte die Sorge, dass die Energiekonzerne schon aus Kostengründen versuchen werden, an den alten fossilen Anlagen festzuhalten und damit den zügigen Ausbau der Erneuerbaren zu unterlaufen. "Das Energiekonzept, das die Regierung derzeit ausarbeiten lässt, bleibt ein Muster ohne Wert, wenn es den Systemkonflikt zwischen Erneuerbaren Energien und klassischen Großkraftwerken nicht untersucht." Ohne Beschreibung dieses Zusammenhangs programmiere die Regierung "den nächsten energiepolitischen Fundamentalkonflikt". BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann verlangte: "Wer den Weg in das regenerative Zeitalter gehen will, muss logischerweise die Erneuerbaren Energien in den Mittelpunkt seines Energiekonzeptes stellen. Alles andere sät Zweifel an der Ernsthaftigkeit" der Koalitions-Ankündigungen.



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