Studie: Atommeiler verursachen keine Fehlbildungen bei Babys
Mainz - Wissenschaftler konnten in einer Studie keine Verbindung zwischen Atommeilern und Fehlbildungen bei Neugeborenen feststellen. Es seien rund 2400 Neugeborene untersucht worden, deren Mütter während ihrer Schwangerschaft in der Nähe der Atomkraftwerke (AKW) Biblis und Philippsburg gewohnt hätten, so die Studienleiterin von der Universitätsmedizin Mainz, Annette Queißer-Wahrendorf. Die Babys hätten ungefähr die gleiche Quote von Fehlbildungen gehabt wie 2850 Neugeborene in einer Region fernab von Atomreaktoren.
Normalerweise kommen den Angaben zufolge etwa fünf Prozent der Neugeborenen mit schweren Fehlbildungen wie Herzfehlern, Lippenspalten, offenem Rücken, Trisomie 21 (Down-Syndrom), Wasserkopf oder fehlenden Händen oder Beinen zur Welt. In Deutschland seien jährlich 33 000 Babys betroffen.
Die Quote im AKW-Umfeld habe bei 4,5 Prozent gelegen, in der reaktorfernen Testregion um Kaiserslautern, Zweibrücken und Pirmasens seien es 4,7 Prozent gewesen. Der leichte Unterschied der Werte liege im natürlichen statistischen Schwankungsbereich, sagte die Vize-Chefin des Deutschen Kinderkrebsregisters, Claudia Spix. Die Daten waren von November 2006 bis Februar 2008 erhoben worden, 90 Prozent der Neugeborenen aus den Regionen waren einbezogen.
"Wir können die Eltern beruhigen, das ist die gute Nachricht dieser Studie", sagte Queißer-Wahrendorf. Es sei das erste medizinische Projekt, das nicht nach Störfällen in einem Problem-Kraftwerk in Auftrag gegeben worden sei, sondern den Einfluss von Reaktoren im Regelbetrieb analysiert habe.
Atomkritiker bemängelten, die Studie sei zu ungenau für generelle Aussagen. Sie sei "Schützenhilfe für die Atomindustrie", kritisierte die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) in Berlin. Die Fallzahlen seien zu gering, zwei AKW-Testregionen seien zu wenig. Hierauf entgegnete die Studienleiterin Queißer-Wahrendorf: "Die Studie ist definitiv nicht zu klein angelegt."
Schon vor drei Jahren hatte eine Studie des Mainzer Kinderkrebsregisters für Aufsehen gesorgt. Demzufolge war das Blutkrebsrisiko für Kinder unter fünf Jahren größer, je näher sie an einem Atommeiler leben. Das sei eine völlig andere Studie gewesen und nicht vergleichbar, sagte Queißer-Wahrendorf. Als nächstes will die Medizinerin die Fehlbildungen bei Müttern untersuchen, die wegen ihrer Arbeit - etwa als Röntgenassistentin - im Alltag einer höheren Strahlenbelastung ausgesetzt sind.
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