Strom aus der Wundertüte: Auch Stadtwerke entdecken Biogasanlagen
Zunächst war die alternative Form der Energieerzeugung aus Biomasse - das sind alle organischen Stoffe pflanzlichen oder tierischen Ursprungs - eng mit der Tierhaltung verknüpft. Denn in der Tiergülle befinden sich Mikroorganismen, die den Gärungsprozess in Gang bringen. In den mächtigen, abgeschlossenen Behältern zerlegen Bakterien die Biomasse - Mais etwa. Dabei entsteht Methangas, das aufgefangen und aufbereitet ein Energielieferant wie Erdgas ist. Das "Erneuerbare-Energien-Gesetz" (EEG) verpflichtet Stromnetzbetreiber, Elektrizität aus Sonne, Wasser, Wind oder Biomasse ins Stromnetz aufzunehmen und dafür auf Jahre einen festgelegen Preis zu zahlen.
"Biogas hat rasant Laufen gelernt", sagt Joachim Matthias, Biogasberater der Landwirtschaftkammer in Münster. Waren es anfangs in den siebziger Jahren noch einzelne Ökobetriebe, die, vom Kreislaufgedanken beseelt, Energie aus und für den Hof produzierten, so sind heute die Methoden weit ausgefeilter. "Es ist alles eine Frage der Verfahrenstechnik", meint Matthias. Und längst entstehen die Anlagen nicht mehr nur in den Gebieten mit intensiver Tierhaltung, sondern auch in den Ackerbauregionen etwa des Rheinlandes. Tiermist wird immer weniger verwendet - und eine empfindliche Nase nicht mehr gestört.
In Zeiten ständig steigender Energiepreise wird die einst belächelte Art der Energiegewinnung auch für die "Großen" interessant. Ein Beispiel sind die Stadtwerke Aachen: "Wir wollen grundsätzlich mehr Energie selbst produzieren und von den großen Zulieferern unabhängiger werden", sagt Kai Mennigmann, Sprecher der Stadtwerke Aachen (Stawag). Investitionen von etwa 50 Millionen Euro in Biogasanlagen plant die stadteigene Aktiengesellschaft, die über 150 000 Kunden mit Strom versorgt.
Die erste Stawag-Anlage entsteht derzeit bei Kerpen: Für rund 5 Millionen Euro wird dort auf etwa 7000 Quadratmetern ein Biogasbetrieb mit einer Gasaufbereitungsanlage gebaut. Bis Jahresende soll die Anlage mit einer Leistung von zwei Megawatt fertig sein und den Strombedarf von etwa 5200 Haushalten decken. Die Rohstoffe wie Mais oder Weizen liefert eine örtliche Agrargenossenschaft.
Das gereinigte Biogas habe die Qualität von Erdgas, versichern die Fachleute. Es werde in die bestehenden Leitungen gepumpt und andernorts in Blockheizkraftwerken eingesetzt. "Erstmals wird das deutsche Erdgasnetz für regenerative Energien geöffnet", berichten die Stadtwerke Aachen, die sich damit als Vorreiter in Deutschland sehen. (Internet: www.landwirtschaftskammer.de/fachangebot/technik/biogas/pdf/karte- biogasanlagen.pdf)
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