Streit um Atommüll-Lager Asse - Ministerium in Erklärungsnot

dpa
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Wolfenbüttel/Hannover (dpa) - Radioaktive Lauge, wütende Proteste und eine Informationspolitik, die unangenehme Fragen aufwirft - im Streit um das Atommüll-Lager Asse in Niedersachsen geraten die Verantwortlichen zunehmend unter Druck. Gut 125 000 Blechfässer mit Atommüll lagern in dem Salzbergwerk südöstlich von Braunschweig. Was vor 40 Jahren noch als sicher galt, wird immer mehr zum Problem. Denn schon seit Jahren dringt mit Wissen des Landesbergamtes und der Betreiber Salzlauge ein, die mit Cäsium 137 radioaktiv belastet ist. Deren Herkunft ist nach wie vor ungeklärt.

Dass die zulässigen Grenzwerte um das acht- bis neunfache überschritten werden, bringt Atomgegner wie Landtagsopposition auf die Palme - und Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) in arge Erklärungsnot. Denn sein Haus musste gravierende Wissenslücken einräumen. Von einer "katastrophalen Informationspolitik" sprachen die Grünen, die Linksfraktion im Landtag forderte gar Sanders Rücktritt. Die Atomgegner zeigten sich weniger überrascht, denn sie halten das unter der Oberaufsicht des Bundesforschungsministeriums stehende Bergwerk ohnehin für eine tickende Zeitbombe.

Bereits zur Eröffnung im Jahr 1967 gab es Proteste, die in Bonn und Hannover jedoch weitgehend ungehört blieben. Auch unzählige Klagen und Gegengutachten haben bis heute wenig bewirkt. Erst seitdem die Schließung des als Forschungsbergwerk zur Endlagerung von Atommüll genehmigten Lagers ansteht, mehren sich die Zweifel an der Sicherheit auch in Wissenschaft und Politik.

"Das einzige, was hier wirklich sicher ist, ist, dass die Asse als Atomendlager nicht sicher ist", sagt Landrat Jörg Röhmann (SPD) aus Wolfenbüttel. Die Einlagerung wurde 1992 abgeschlossen, seitdem wird an einem Schließungskonzept gearbeitet. Verantwortlich sind die Betreiber, das Helmholtz-Institut München (HZM), eine von 15 Forschungseinrichtungen der renommierten Helmholtz-Gesellschaft. Ihr Vorschlag, die Schachtanlage mit einer Spezialflüssigkeit zu fluten, die die Fässer umschließen und Einstürze verhindern soll, ist äußerst umstritten.

Massive Kritik gibt es auch an der Informationspolitik der Betreiber: "Wir haben uns nichts vorzuwerfen", sagt HZM-Sprecher Heinz-Jörg Haury. Bereits seit Anfang der 90er Jahre seien Spuren von Cäsium 137 und anderen radioaktiven Stoffen bekannt und die zuständigen Behörden informiert worden. Es handele sich jedoch um "extrem geringe Mengen", die weder Menschen noch Umwelt gefährdeten. Ursache könnte ein Unfall im Jahr 1973 gewesen sein. Möglicherweise wurde ein Fass mit flüssigem Atommüll beim Verladen von einem Gabelstapler beschädigt.

"Von dem Unfall wussten wir, nicht aber von den sicherheitsrelevanten Folgen", sagt der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad, Peter Dickel, und rechnet mit weiteren Hiobsbotschaften. "Das ist noch lange nicht vorbei." Rund 50 Organisationen von der Kirche über Gewerkschaften und Umweltverbänden bis zu Kommunen haben sich in der Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Auch das nur etwa 25 Kilometer entfernte künftige Endlager Schacht Konrad liegt den Menschen im Magen.

"Wir sind enttäuscht und schockiert, aber auch froh, dass die Informationen nun fließen", sagt Landrat Röhmann. "Mir ist unklar, ob die Informationen absichtlich oder aus Betriebsblindheit zurückgehalten wurden", fügt Dickel hinzu. In der Konsequenz sei allerdings beides gleich schlimm.



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