Spanier starten im Ringen um Endesa Offensive gegen E.ON

dpa
Bild: Stromleitungen


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Madrid (dpa) - Die Sache schien für den Energiekonzern E.ON fast gelaufen und der Weg zur Übernahme des größten spanischen Stromversorgers Endesa geebnet zu sein. Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, der sich dem Vorstoß der Deutschen mit Macht entgegengestellt hatte, schickte sich anscheinend in das Unvermeidliche. Das Ringen um Endesa werde ein "glückliches Ende" nehmen, prophezeite er nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.


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Nun aber ereignete sich im Übernahmekampf eine neue überraschende Wende. Der Baukonzern Acciona, den in diesem Wirtschaftsdrama niemand auf der Rechnung hatte, kaufte zehn Prozent der Endesa-Anteile und stieg zum größten Aktionär des Stromkonzerns auf. Für E.ON ist der Coup eine schlechte Nachricht, und das in doppelter Hinsicht.

Erstens dürfte er den Preis einer Übernahme kräftig in die Höhe treiben; denn Acciona zahlte für die Endesa-Aktie fast 26 Prozent mehr als E.ON geboten hatte. Zweitens könnte Acciona mit einem anderen Großaktionär die von E.ON geforderte Änderung der Endesa- Statuten blockieren. Bisher darf kein Aktionär mehr als zehn Prozent der Stimmrechte in der Konzernführung haben. Ohne eine Aufhebung dieser Klausel hätte eine Übernahme des Konzerns wenig Sinn.

Bisher hatte Spanien versucht, mit Einschränkungen und Auflagen - also auf politischem Wege - einen Verkauf von Endesa an die Deutschen zu verhindern. Nun hat es anscheinend eine neue Strategie eingeschlagen. "Der Acciona-Vorstoß bedeutet einen spanischen Gegenangriff", schreibt die Zeitung "El Mundo". "Alles deutet darauf hin, dass der Baukonzern die Speerspitze einer neuen Strategie bildet, die darauf hinauslaufen soll, dass Endesa spanisch bleibt."

Spanische Politiker und Unternehmer haben die E.ON-Offerte in letzter Zeit mit wachsender Sorge betrachtet. Wenn Endesa an E.ON geht, so lautet die Befürchtung, werden sich schon bald Konzerne in Frankreich und Italien für die Konkurrenten Iberdrola, Unión Fenosa oder Gas Natural interessieren. Eines Tages könnte fast die gesamte spanische Energieversorgung in ausländischer Hand sein. "Spanien darf sich nicht der Gefahr aussetzen, dass seine Strompreise von der E.ON in Düsseldorf oder von ausländischen Regierungen festgelegt werden", meinte der Parlamentarier Vicente Martínez Pujalte.

Seit Wochen laufen nun hinter den Kulissen Gespräche, in denen nach einer unternehmerischen Alternative gesucht wird, die eine Übernahme von Endesa durch E.ON verhindern könnte. "Es werden alle möglichen Kombinationen durchgesprochen. Jeder redet mit jedem", berichten Branchenexperten. Die Zeitung "El País" meint: "Das glückliche Ende, von dem Zapatero sprach, könnte so aussehen, dass das Glück nicht auf der Seite von E.ON liegt."

Auch die Zeit spielt gegen den Düsseldorfer Konzern. Die E.ON- Offerte wird in den Mühlen der spanischen Justiz blockiert, und die Verfahren können sich noch lange hinziehen. Vorstandschef Wulf Bernotat hat zwar immer wieder betont, dass er es mit der Endesa- Übernahme nicht eilig hat. "Aber mit jedem Tag, der ins Land geht, scheint die Operation ein wenig teurer zu werden", schreibt das Wirtschaftsblatt "Expansión".



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