Sonne ernten - Solarenergie als Einkommensquelle für immer mehr Bauern

dpa
Bild: Stromleitungen


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Münster (dpa/lnw) - Auf dem Hof von Winfried Dahlhaus stehen der Sonnenenergie Tür und Tor offen. Auf den grossen Dächern der Ställe strahlt es im metallischen Blau der Solaranlagen. "Die Südlagen sind alle voll", sagt er und weist auf einen Scheunengiebel, der erst seit kurzem mit den schimmernden Platten verkleidet ist. Es ist bereits die vierte Anlage, die der 45 Jahre alte Landwirt auf seinem Hof am ländlichen Stadtrand von Münster eingerichtet hat.

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Immer mehr Bauern in Nordrhein-Westfalen ernten Sonne. Die auf 20 Jahre garantierten und vergleichsweise hohen Preise für den mit der Photovoltaik gewonnenen Strom haben ihr Interesse geweckt. Denn Platz für die Solaranlagen gibt es auf den Bauernhöfen zumeist genug. Dächer für grosse Anlagen sind reichlich vorhanden und das bedeutet, dass die Investitionen sich schneller amortisieren. Bei der Landwirtschaftskammer sind allein in diesem Jahr 424 Anträge eingegangen, davon sind 401 bewilligt. Angestossen wurden Investitionen von 55,6 Millionen Euro. Zuschüsse von 5 Millionen Euro wurden bewilligt.

Der erfinderische Landwirt Dahlhaus findet es sinnvoll, auf seinem Betrieb mit 700 Schweinen und 50 Mastbullen Sonnenenergie zu produzieren: "Im Moment rechnet es sich einfach". In etwa zehn Jahren seien die Investitionskosten abbezahlt. Im vergangenen Jahr hat der Münsterländer 64 000 Kilowatt Strom für die Stadtwerke Münster erzeugt, ein Drittel mehr als der Jahresverbrauch des Hofs.

Herzstück seiner Photovoltaikanlagen ist eine schwenkbare Solaranlage, Marke Eigenbau. Von einem Computer gesteuert, drehen sich die meterhohen Energiefänger auf ihren Rädern nach dem Licht. Ein Windmesser sorgt dafür, dass das Schild sich bei Sturm flachlegt. Bis auf die Solaranlage ist es ein reines Recyclingprodukt: Der Antrieb war einmal Motor eines Gabelstaplers, das Gerüst ist aus Eisenregalen vom Schrottplatz montiert, das Laufrad kommt von der Bahn, und die Holzhütte für die Steuerung stand früher auf dem Weihnachtsmarkt in Münster.

Der Landwirt hat auf seinem 75 Hektar grossen Hof neue Felder der Energieerzeugung auch für sich entdeckt. Das warme Wasser für fünf Wohnungen mit zwölf Bewohnern liefert eine 16 Quadratmeter grosse Solaranlage. "Das sollte jeder haben, das macht Sinn", meint er. Schliesslich kann man die Wärme speichern und hohe Energiepreise umgehen.

Hausgemacht wird auf Hof Dahlhaus demnächst auch die Heizung. Ein mit eigenem Holz befeuerter Ofen erhitzt das Wasser für die Heizkörper. An Brennstoff wird es nicht mangeln. "Was hier auf dem Hof so alles anfällt, man glaubt es kaum", berichtet der Landwirt und ärgert sich heute noch, als er vor einigen Jahren gutes Holz, für das er keine Verwendung mehr hatte, für viel Geld in Münster hat entsorgen lassen.

Und Träume hat er auch noch: Das nächste Projekt würde eine kleine Windkraftanlage sein. "Ich würde an den Tagen, wo Wind ist, das Getreide für das Vieh mahlen". Auf seinen Feldern wächst Raps - könnte man daraus nicht Öl pressen, um wie ein Bauer aus der Nachbarschaft mit Rapsöl zu fahren? Immerhin hat Dahlhaus auch ein Solarauto, das er mit selbst produziertem Strom tankt. "Obwohl das dumm ist", sagt er und grinst - denn konventioneller Strom ist ja billiger als die Sonnenenergie mit ihrem hohen Garantiepreis.



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