Solarenergie: Goldgräberstimmung in Nordfriesland

dpa | 15.11.2004
Bild: Stromleitungen



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Husum (dpa/lno) - Eine allzu stürmische und unkoordinierte Entwicklung hätte die Windenergie, heute in Schleswig-Holstein weitgehend unumstritten, Anfang der 90er Jahre fast das Renommee gekostet. Jetzt droht der Solarenergie ein ähnliches Schicksal: Vor allem in Nordfriesland entstehen derzeit erste Grossprojekte zur Energiegewinnung aus der Kraft der Sonne, während planerische Vorgaben für den sich abzeichnenden Boom noch fehlen: "Wir sind bemüht, die Planung zu koordinieren", sagt der Sprecher des für Landesplanung zuständigen Innenministeriums, Ove Rahlf.

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Die Goldgräberstimmung erinnert an die Anfangszeiten der Windenergie an der Westküste. Beflügelt durch Förderungen von Bund und Land, wurden Landwirte damals zuhauf zu Windkraftanlagen- besitzern. Prompt formierten sich Bürgerinitiativen gegen die "Verspargelung der Landschaft" - Akzeptanzverlust war die Folge. Spät wurde der Ausbau mit der Ausweisung von Windeignungsflächen in geordnete Bahnen gelenkt - zu spät für etliche Projekte: Zeugen dieser frühen Pionierstimmung in Form von Einzelanlagen und ungeordneten Anlagenansammlungen drehen noch heute, etwa auf der Halbinsel Eiderstedt, ihre Flügel.

Jetzt steht ein neuer Boom bevor: Das von der Bundesregierung verabschiedete Neue Energien Gesetz bringt, wie der für Energie zuständige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Wilfried Voigt (Grüne), betont, nun auch Biomasse und Solarenergie "in die Gewinnzone". Das war der Startschuss vor allem in Nordfriesland: Eine Photovoltaikanlage auf 1000 Quadratmetern Dachfläche in der Gemeinde Reussenköge (Kreis Nordfriesland) wurde im Oktober eingeweiht, mehrere Solarparks warten auf die baurechtliche Genehmigung.

Hierfür sind zwar, wie bei Windkraftanlagen, die Gemeinden zuständig. Notwendig sei aber eine übergeordnete Koordination, erläutert Rahlf: "Wir wollen das planerisch begleiten, damit es keinen Wildwuchs gibt". Zu einem ersten Gespräch wurden kürzlich alle verantwortlichen Ebenen ins Wirtschaftsministerium eingeladen.

Weitgehend einig scheint man sich darin zu sein, dass Dach- und Wandflächen Vorrang vor Freiflächen haben sollen: "Das wäre wünschenswert", sagt Ministeriums-Sprecherin Karin Fehlau. Investitionsfreudige Nordfriesen sind diesem Wunsch allerdings längst vorausgeeilt: Mindestens zwei Solarparks sind geplant und beantragt, darunter der mit 21 Hektar Fläche bis jetzt grösste im Land. Initiator Max Ketelsen verspricht sich von diesem 18-Millionen-Vorhaben eine Rendite von acht Prozent: "Ich bin mehr Geschäftsmann als Ideologe", sagt der ehemalige Landwirt, der bereits auf die Windenergie setzte und vier Rotoren sein eigen nennt.

Aber der landschaftsplanerische ist nicht der einzige umstrittene Aspekt der Solarenergie und Parks auf freier Fläche sind das einzige Problemfeld. Die erste Photovoltaikanlage auf einem Dach im Sophien- Magdalenen-Koog hat jetzt das Landesamt für Denkmalpflege auf den Plan gerufen. Mit der Begründung, die im benachbarten Sönke-Nissen- Koog aus historischen Gründen einheitliche Hausgestaltung mit grünen Dächern sei ein landschaftsprägendes Element, sollen die Gehöfte unter Schutz gestellt werden. Solaranlagen auf dem Dach wären dort dann nicht mehr, wie jetzt, ohne behördliche Genehmigung möglich. Nach Auskunft des Kreises Nordfriesland läuft derzeit die Anhörungsfrist für das Verfahren.



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