Söder fordert Handy-Verbot an bayerischen Schulen - Kritiker bezweifeln Sinn

dpa | 25.03.2006
Bild: Hand mit Smartphone


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München (dpa/lby) - Die Diskussion um die Mitnahme von Handys zum Schulunterricht in Bayern geht weiter. CSU-Generalsekretär Markus Söder hat neue Regelungen im Jugendschutz und ein Handy-Verbot an Schulen gefordert. Nach dem Fund von Gewalt- und Pornodarstellungen auf Schüler-Handys hatte Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) angekündigt, das Für und Wider eines generellen Verbots an Schulen zu prüfen. Gegen das im Freistaat erwogene Handy-Verbot haben sich unterdessen erneut auch Kritiker zu Wort gemeldet, die den Sinn einer solchen Maßnahme bezweifeln.

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Söder hält ein Handy-Verbot an allen Schulen für sinnvoll. Der CSU-Politiker sagte der "Bild am Sonntag": "Der Trend zu Horror- Videos auf Handys ist alarmierend. Wir dürfen nicht zulassen, dass Kinder Filme von Vergewaltigungen und Misshandlungen wie Fußball- Bilder tauschen." Söder forderte außerdem Neuregelungen im Jugendschutz, nach denen Video-Handys nicht mehr an Kinder unter 16 Jahren verkauft werden dürften.

"In der Praxis ist ein Handy-Verbot an Schulen schlicht nicht kontrollierbar", sagte dagegen am Sonntag der Bildungsexperte der Landtags-SPD, Hans-Ulrich Pfaffmann. Die Forderung Söders bezeichnete Pfaffmann als "bildungspolitische Bankrotterklärung". Der SPD- Politiker setze vielmehr auf verstärkte Prävention, um Gewaltrisiken an den Schulen zu verringern.

Auch die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Ute Erdsiek-Rave (SPD), und die Bundesarbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendschutz sprachen sich gegen ein Handy-Verbot aus. Erdsiek-Rave hält ein solches Verbot für nicht durchsetzbar. "Wer soll das kontrollieren? Lehrer sind keine Polizisten", sagte sie nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". Das Problem dürfe nicht bagatellisiert werden. Sinnvoller sei es jedoch, mit den Schülern und ihren Eltern diese Themen zu besprechen. "Bei Straftaten müssen die Lehrer jedoch konsequent handeln, die Polizei und die Jugendämter einschalten."

Der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendschutz, Prof. Bruno Niklas, hält die Funde von Gewaltvideos auf Schüler-Handys in Bayern nur für die Spitze des Eisbergs. Da solches Material außerdem seit Jahren im Internet zugänglich sei, müsse man die Jugendlichen sensibilisieren und stärken für Eindrücke, "die man letztlich auch nicht los wird", sagte Niklas dem Deutschlandradio.

Entscheidende Bedeutung für die Bewältigung solcher Probleme hätten die Eltern, sagte Niklas. Als problematisch sieht er Elternhäuser, in denen die Eltern sich schwer tun, mit den Kindern zu spielen und zu kommunizieren. Leider gebe es davon eine große Zahl, sagte der Soziologe. Aber auch in den Schulen müsse über Menschenwürde und Grenzziehungen zwischen Kunst und Verbotenem gesprochen werden.



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