Signal von Bonn: Weltkonferenz läutet Energiewende ein

dpa | 07.06.2004
Bild: Stromleitungen

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Bonn (dpa) - Die früher einmal belächelten erneuerbaren Energien hat die Bonner Weltkonferenz endgültig aus ihrem Nischendasein herausgeholt. Für Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat sogar ein "neues Zeitalter" begonnen: Die Zukunft gehöre Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse. "Die Botschaft von Bonn lautet: Taten statt Worte. Hier wurden Nägel mit Köpfen gemacht", bilanzierte Trittin am Freitag zum Abschluss der bisher weltgrössten Konferenz dieser Art.

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Einmütig sprachen sich Delegierte aus 154 Ländern für einen Ausbau von regenerativen Energien aus. Vor allem aber verpflichteten sie sich in einem Aktionsplan freiwillig zu 165 Projekten, die die Abhängigkeit von Öl, Kohle und Gas verringern und den Klimawandel bremsen sollen. "Das Starke ist das Aktionsprogramm", meinte denn auch Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD).

Noch ist die Energiewende mehr Vision als absehbare Realität. Auf Jahre hinaus wird die weltweite Energieerzeugung von fossilen Brennstoffen dominiert werden. Doch in Bonn wurde - zusätzlich angeschoben durch die aktuelle Ölpreiskrise und die Angst um die Versorgungssicherheit - eine Umorientierung eingeleitet. Mit dem lange Zeit auch in der Politik üblichen Herunterreden der erneuerbaren Energien dürfte es vorbei sein. Wichtig sei, dass hier ein "Umdenken" und ein "mentaler Sprung" greifbar geworden seien, resümierte der Direktor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer.

Kohlekraftwerke, Ölheizungen und Benzinmotoren gehörten ins Museum, hatten Umweltschützer zu Beginn der Bonner Konferenz gefordert. Ob künftige Generationen aber wirklich an Bonn denken, wenn sie die die fossilen Energie-Dinosaurier bestaunen, halten kritische Beobachter für fraglich. Der Durchbruch zur Energiewende wurde als Absicht formuliert, damit sei aber noch nicht viel erreicht.

Die vielen Projekte im Aktionsprogramm könnten Sonne, Wind, Wasser und Biomasse als Energiequelle fördern, bedeuteten aber noch keine Zeitenwende, mahnten Umweltschützer. Für sie kommt es darauf an, dass die Ideen auch Wirklichkeit werden - und dazu sei neben ernsthaftem politischem Willen auch Geld der Industrieländer für ärmere Staaten nötig.

Dennoch zeigten sich die Umweltverbände - im Unterschied zur Bewertung anderer internationaler Konferenzen - weitgehend zufrieden. "Die Selbstverpflichtungen im Aktionsprogramm sind bemerkenswert. Das gilt vor allem für China", meint der Brasilianer Marcelo Furtado, der für Greenpeace und das Netzwerk regierungsunabhängiger Organisationen Cures in Bonn dabei war.

Grosse Staaten wie China oder Brasilien könnten ihren Weg in Richtung Erneuerbare Energien zwar auch alleine verfolgen. "Kleine Länder wie in der Karibik oder Asien können das aber nicht. Sie brauchen Koalitionen, wenn sie mit Institutionen wie der Weltbank über Kredite für Projekte verhandeln", meint Furtado. Deshalb seien internationale Konferenzen wie die in Bonn für kleine Länder so wichtig.

Die Vorreiter für eine Wende wie Gastgeber Deutschland wollen dafür sorgen, dass Bonn kein Strohfeuer war. "Diese Konferenz wird keine Eintagsfliege bleiben, sie wird Konsequenzen haben", kündigte Wieczorek-Zeul an. Ein Nachfolgeprozess soll sicherstellen, dass es für die freiwilligen Zielsetzungen eine völkerrechtlich verbindliche Kontrolle im UN-Rahmen geben wird.

Damit wird auch der Bogen zu dem Defizit des Umweltgipfels von Johannesburg vom September 2002 geschlagen. Dort hatte sich die Staatengemeinschaft nur auf den kleinen Nenner verständigt, dass der Anteil der erneuerbaren Energien mit Nachdruck gesteigert werden solle. Bonn ging mit einer "Koalition der Willigen" weiter. "Wir haben diejenigen, die bereit waren voranzugehen, vorangehen lassen, und die die zögerlich waren, nicht zurückgelassen", sagte Trittin.

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