Seekabel: Austausch von Öksotrom zwischen Norwegen & Deutschland
Kiel - Die Nordsee als Drehscheibe für Energie: Der norwegische Netzbetreiber Statnett plant den Bau eines Hochspannungs-Seekabels für den Stromaustausch zwischen Deutschland und Norwegen. Die unterseeische Stromleitung, mit einer Länge von 530 Kilometern, solle von der südnorwegischen Küste bis zu einem Umspannwerk im Raum Brunsbüttel führen. Dies teilten das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium und Statnett am Mittwoch in Kiel mit, wo das 1,4 Milliarden Euro teure Projekt vorgstellt wurde. Die Leitung soll spätestens 2017 fertig sein.
Das Kabel mit Namen Nordlink soll dem Austausch von regenerativ erzeugtem Strom aus deutschen Windkraftanlagen und norwegischen Wasserkraftwerken dienen. Im Zuge der geplanten Steigerung der Produktion von Energie aus erneuerbaren Quellen sollen sich die Stromversorgungsnetze beider Staaten dadurch ergänzen.
Denn ein Problem bei der Windstromproduktion, die in Norddeutschland massiv ausgebaut wird und künftig einen großen Anteil des deutschen Bedarf decken soll, ist die Speicherung aktuell nicht benötigter überschüssiger Energie. Da es in Deutschland an Speichermöglichkeiten fehlt, soll Nordlink den Strom zu norwegischen Pumpspeicherkraftwerken fließen lassen, von wo er bei Bedarf abrufbar wäre. Das Nordlink-Seekabel hat eine Übertragungskapazität von 1400 Megawatt. Das entspricht der Leistung eines großen Atomkraftwerks. Norwegen und Deutschland seien "ideale Partner", erklärte Statnett-Chef Auke Lont in Kiel.
Der künftig wechselseitig mögliche Rückgriff auf deutschen Windstrom und norwegische Wasserkraft erhöhe auch die Versorgungssicherheit in beiden Ländern und werde die Energiepreise im Sinne der Verbraucher stabilisieren, teilte das Kieler Wirtschaftsministerium mit. "Damit rückt die Vision der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien in greifbare Nähe - zum Nutzen aller Beteiligten", erklärte der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU).
Der norwegische Staatskonzern Statnett plant derzeit mehrere Stromkabel, die Norwegen mit verschiedenen europäischen Ländern verbinden sollen. Zusammen mit anderen Firmen will der Übertragungsnetzbetreiber unter anderem auch die 570 Kilometer lange Stromleitung Norger bauen, die bis 2015/16 durch die Nordsee nach Niedersachsen führen soll. Ein Kabel in die Niederlande ist bereits fertig.
Für Probleme bei der Genehmigung könnte die Tatsache sorgen, dass die Trasse für das Nordlink-Kabel nach Brunsbüttel unter anderem auf rund 30 Kilometer durch den besonders geschützten Nationalpark Wattenmeer verlegt werden müsste. Dort seien derartige Seekabelprojekte eigentlich nicht erlaubt, teilte die Kieler Umweltministerin Juliane Rumpf (CDU) mit. Es gebe aber Möglichkeiten für Ausnahmen, etwa wegen der klimaschutzpolitischen Bedeutung des Netzausbaus, was ein überragendes öffentliches Interesse am Nordlink-Projekt begründen könne.
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