Scharfe Kritik an Telekom-Angebot für T-Online
Auch der Börsen- und Bankenexperte Wolfgang Gerke kritisierte das Angebot der Telekom vom Samstag als unzureichend. "Für viele Aktionäre entsteht der Eindruck, dass sie die Talsohle mitdurchschreiten mussten, der Weg nach oben ihnen aber verwehrt wird", sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg der Tageszeitung "Die Welt" (Montag). Gerke forderte einen Aufschlag auf den aktuellen Börsenkurs von mindestens 20 Prozent. Die Chancen stünden gut, dass spätestens Gerichte die Konditionen anzweifeln und das Angebot nachgebessert werden müsse.
Die Telekom hält 73,9 Prozent an T-Online und die französischen Lagardère-Gruppe 5,7 Prozent. Die übrigen Aktien sind breit gestreut. Nach einer Beispielrechnung von Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick könnte der Erwerb der ausstehenden 26 Prozent bei T-Online und die anderen Schritte des skizzierten Verschmelzungsplanes insgesamt rund 2,9 Milliarden Euro kosten. Das freiwillige Kaufangebot entspricht dem XETRA-Schlusskurs vom Freitag und liegt um 2 Cent je Aktie über dem Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate.
Der Verschmelzungsvertrag und das Umtauschverhältnis würden vermutlich nicht vor Januar 2005 verfügbar sein, teilte die Telekom mit. Die Unterlagen zum freiwilligen Kaufangebot könnten bereits im November veröffentlicht werden. Die T-Online-Aktie hatte sich zuletzt wieder etwas von einem Kurstief bei 7,53 Euro Anfang August erholt. Ihre schlechteste Notierung war im Herbst 2001 mit 4,85 Euro. Der Höchstkurs lag auf dem Höhepunkt der Internet-Euphorie Mitte 2000 bei 48 Euro.
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