Röttgen will keine deutliche Atom-Laufzeitverlängerung
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Berlin/Osnabrück - Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will die Laufzeit der Atomkraftwerke nur moderat verlängern. Röttgen sagte gegenüber "Zeit Online": "Eine große Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich eine Laufzeitverlängerung nur, so lange es energiepolitisch nötig ist, nicht darüber hinaus."
Er hoffe, "dass wir beim Energiekonzept noch in diesem Sommer zu einem Konsens kommen können, der dann ebenfalls von der breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen werden kann". Bis Ende August sollen Modelle über den Energiemix vorliegen.
Die Bundesbürger lehnen eine deutliche Verlängerung der Laufzeiten ab. Das hatte eine TNS-Emnid-Umfrage für die "Zeit" ergeben. 77 Prozent der Befragten sprachen sich dagegen aus, die Atommeiler mehr als zehn Jahre länger als vereinbart am Netz zu lassen. Fast die Hälfte (48 Prozent) will gar keine Verlängerung. Nach dem Atomausstieg unter Rot-Grün würde das letzte der 17 deutschen Atomkraftwerke bis 2022 oder einige Jahre später abgeschaltet.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) plädiert für eine Laufzeitverlängerung von mindestens 15 Jahren. Dies lehnen seine Landsleute im Südwesten überwiegend ab. Das Land hält dennoch an der Forderung fest. "Wir sind uns bewusst, dass die Kernenergie in Teilen der Bevölkerung umstritten ist", sagte Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) "Zeit Online". Baden-Württemberg sei aber auch künftig auf eine Stromversorgung angewiesen, die "zu jeder Zeit verlässlich und zu bezahlbaren Preisen den benötigten Strom bereitstellt".
FDP kritisiert Röttgens Atompolitik
Die FDP hat Bundesumweltminister Röttgen davor gewarnt, "diffuse Ängste" der Bürger zu nutzen, um die Laufzeit von Atomkraftwerken nur moderat zu verlängern und damit von Koalitionsabsprachen abzurücken. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner, seine Partei nehme die Umfragen genauso ernst wie Röttgen, wonach 77 Prozent der Bundesbürger Atommeiler nicht mehr als zehn Jahre länger als vereinbart am Netz lassen wollen. "Wir sollten die Menschen informieren. Der zu schnelle Ausstieg aus der Kernkraft trifft sozial Schwache", sagte er.
Der Liberale verwies darauf, dass die Regierung seiner Ansicht nach nur deshalb Kernkraftwerke länger laufen lasse, damit die Wende zu erneuerbarer Energie sicher und bezahlbar sei. Andernfalls müssten die Verbraucher die Kosten einer neuen Energiepolitik allein tragen. Nach Angaben des FDP-Generalsekretärs müsste ein Durchschnittshaushalt mit bis zu 150 Euro höheren Stromkosten im Jahr rechnen.
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