Rivalen rücken der Telekom bei Prestigeprojekt VDSL auf die Pelle
Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, und Versatel-Chef Peer Knauer erwartet, dass bis März kommenden Jahres eine Einigung über den Zugang zu Leerrohren und den grauen Kästen am Straßenrand getroffen wird. Der Startschuss für den VDSL-Netzbau soll nun 2008 fallen. Ohne die Zugeständnisse wäre der Aufbau eines eigenen VDSL-Netzes für Arcor und Versatel zu teuer. "Neben Druck der Aufsichtsbehörden hat der Vorstandswechsel vor einem Jahr die Gespräche vereinfacht", sagt ein Manager eines Wettbewerbers. Ein Telekom-Sprecher sagt nun auch: "Wir begrüßen die Investitionen von Arcor und Versatel."
Das VDSL-Netz der Telekom hat eine Geschwindigkeit von bis zu 50 MBit pro Sekunde - 50 Mal schneller also als die ersten DSL-Leitungen. Auch 100 MBit/Sekunde sind machbar. Damit soll die schöne bunte Welt des schnellen Internet in die Haushalte einziehen. Als wichtigen Treiber sieht Versatel-Chef Knauer das hochauflösende Fernsehen HDTV an, das auch über das Netz übertragen werden soll. Aber auch Spiele und Musik würden die Nachfrage steigern, sagt er. Bislang steckt das Geschäft aber in den Kinderschuhen - die Telekom hat bislang 50.000 Kunden für ihr "Entertain"-Paket unter Vertrag genommen. Knauer rechnet wie Arcor-Chef Harald Stöber damit, dass erst Ende 2009 der VDSL-Absatz anziehen wird. "Derzeit gibt es keine Notwendigkeit für Eile, da es noch keine Anwendungen gibt", sagt der Versatel-Chef.
In der Strategie von Telekom-Chef René Obermann nimmt das Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL eine Schlüsselrolle ein. Von den neuen Diensten, die über das Netz laufen sollen, verspricht sich Obermann eine Stabilisierung des Deutschlandgeschäfts. In der traditionellen Telefonie verzeichnet das Unternehmen seit Jahren massive Rückgänge, was die Telekom zu schmerzhaften Einschnitten beim Personal zwingt. Da VDSL noch nicht bundesweit verfügbar ist, rüstet der Marktführer sein Breitbandnetz mit dem vergleichsweise langsameren Standard ADSL2+ auf. "Bis Ende 2007 können über 17 Millionen Haushalte unser Highspeed-Netz nutzen", sagt Festnetz-Vorstand Timotheus Höttges.
Mit dem Netzausbau kommen hohe Investitionen auf die Unternehmen zu. Die Kosten für den Aufbau werden nach Angaben von Arcor-Chef Stöber im Milliardenbereich liegen, die er aus dem laufenden Geschäft stemmen will. Nach Einschätzung von Versatel-Chef Knauer werden die Ausgaben die Konsolidierung der Telekomindustrie beschleunigen. "Am Ende sehe ich neben der Telekom zwei bis drei weitere Spieler." Dazu gehören will auch der spanische Telekomkonzern Telefonica mit seiner deutschen Tochter O2, der sich zu seinen Plänen aber noch bedeckt hält.
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