Preis-Schock an der Zapfsäule - USA kaufen Europas Raffinerien leer
Diese merkwürdige Dramaturgie zeigt: Die Ölkonzerne befürchten, dass der seit Jahren rückläufige Benzinabsatz nochmals einbricht. Bei Preisen von mehr als 1,40 Euro für den Liter Superbenzin verzichten Autofahrer auf Fahrten oder steigen auf andere Verkehrsmittel um. Schon längst hat sich ein beträchtlicher Teil der Kunden angewöhnt, im preisgünstigeren Ausland zu tanken. Dort sind die Steuern und damit die Endverbraucher-Preise oft deutlich niedriger.
Die Ölfirmen haben ihren Einfluss auf die Preisbildung weitgehend verloren und müssen ohnmächtig ansehen, wie die Finanzmärkte mit ihnen Schlitten fahren und den Ölpreis auf unrealistische Höhen treiben. Das spült den grossen multinationalen Firmen zwar einerseits Milliardengewinne in die Kassen, die sie bei der Förderung verdienen. Andererseits verschlechtert es die Konkurrenzfähigkeit des Öls gegenüber anderen Energieträgern, die sich allerdings auch verteuerten. Die Grünen werben im Bundestagswahlkampf schon offensiv mit der Parole "Weg vom Öl". Das ist nicht im Interesse der Branche.
"Wir würden es vorziehen, wenn der Ölpreis weniger stark schwanken würde", sagt Klaus Picard, der Hauptgeschäftsführer des mächtigen Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), der die Interessen der Branche bündelt. Der jüngste Preisschock an der Tankstelle geht allerdings mehr auf Kosten des Wetters als der Spekulanten. Während sich die Preise für Rohöl nur geringfügig erhöhten, explodierten die Benzinpreise. "Die Amerikaner leben auf Kosten der Europäer", sagt Heino Elfert vom Hamburger Energie-Informationsdienst EID. "Wenn ihnen Benzin fehlt, kaufen sie in Rotterdam. Der Benzinpreis hat sich vom Ölpreis abgekoppelt."
Rund 40 Millionen Tonnen Benzin importieren die USA jährlich, davon 25 Millionen Tonnen aus Europa. Das entspricht dem gesamten deutschen Bedarf. Die Ölkonzerne verdienen daran mit, sofern sie Raffinerien betreiben und von der hohen Marge profitieren können. Sie können allerdings nicht ihre hohen Raffineriegewinne verwenden, um die Preise an den Tankstellen zu subventionieren, wo wenig bis gar kein Gewinn anfällt. Das wäre verbotenes Dumping, würde die mittelständischen konzernfreien Tankstellen in den Ruin treiben und das Kartellamt auf den Plan rufen.
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