OPEC: Zeigt die Förderkürzung Wirkung?
Frankfurt - Das mächtigste Ölkartell der Welt steht mit dem Rücken zur Wand: Einerseits sieht sich die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) gezwungen, auf die seit Sommer massiv eingebrochenen Ölpreise und die trüben Aussichten für die weltweite Ölnachfrage zu reagieren. Andererseits sind die Mitgliedsländer aber stark auf die Einnahmen aus ihren Ölexporten angewiesen. Nachdem die OPEC nun am Mittwoch die größte Förderkürzung in ihrer Geschichte vorgenommen hat, gehen Marktbeobachter zwar mittelfristig von einer Erholung der Ölpreise aus. Kurzfristig gilt ein Anstieg der Preise auf ein "faires" Niveau aber als sehr fraglich.
Seit den Sommermonaten haben die Ölpreise in beispielloser Weise an Boden verloren. Zunächst waren sie wegen einer ungewöhnlich hohen Nachfrage von Finanzinvestoren bis Juli auf historische Höchststände von knapp 150 Dollar gestiegen. In den folgenden Monaten kannten die Preise aber nur eine Richtung - nach unten. Seit Juli haben sich die Ölpreise um sage und schreibe 70 Prozent oder rund 110 Dollar verbilligt. Als Grund nennen Experten vor allem die trüben Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft. Namhafte Organisationen wie die Internationale Energieagentur (IEA) rechnen für 2008 sogar mit einem Rückgang der Ölnachfrage - es wäre der erste seit 25 Jahren.
All dies versetzt die OPEC derzeit in eine sehr unkomfortable Lage. Auf der einen Seite sieht sich das Ölkartell gezwungen, auf den rapiden Preisverfall am Ölmarkt zu reagieren. Auf der anderen Seite müssen die Mitgliedsländer aber auch auf den steten Fluss der Einnahmen aus ihrem Ölgeschäft achten. Umsatz ist eben Preis mal Menge - und genau diese beiden Komponenten muss die OPEC im Auge behalten: Dass das derzeitige Angebot an Rohöl die weltweite Nachfrage übersteigt, gilt sowohl unter Marktbeobachtern als auch in den Reihen des Ölkartells als unstrittig. Einig sind sich Analysten und die OPEC auch bei der Beurteilung der Ölpreise. Ein "fairer", also fundamental gerechtfertigter Ölpreis wird bei rund 75 Dollar gesehen. Die Ölpreise notieren demnach mit aktuell rund 40 Dollar knapp die Hälfte unter ihrem gleichgewichtigen Preis.
Auf dieses Ungleichgewicht hat die OPEC bereits im Herbst reagiert: Zusammen mit der jüngsten Förderkürzung um 2,2 Millionen Barrel hat das Ölkartell seine offizielle Tagesproduktion seit September um 4,2 Millionen Barrel oder rund 15 Prozent verringert. Damit liegt die tägliche Förderung der OPEC, die rund ein Drittel der weltweiten Ölproduktion auf sich vereint, aktuell so tief wie zuletzt Mitte 2004. Zudem haben auch andere Ölproduzenten wie Russland und Aserbaidschan, die allerdings nicht der OPEC angehören, Produktionskürzungen angekündigt. Darüber hinaus "flirtet" Russland in jüngster Zeit verstärkt mit dem Ölkartell - wobei ein Beitritt des größten Ölförderlandes außerhalb der OPEC unter Experten als eher unwahrscheinlich gilt.
Obgleich Marktbeobachter schon seit längerem auf Untertreibungen am Rohölmarkt hinweisen, rechnen sie nicht mit einer kurzfristigen Stabilisierung der Ölpreise durch die jüngsten Förderkürzungen. "Die globale Rohölnachfrage dürfte in den Jahren 2008 und 2009 rückläufig sein", sagt Rohstoffexpertin Dora Borbély von der DekaBank. Demgegenüber werde das Ölangebot zumindest im Durchschnitt des laufenden Jahres weiter ansteigen. Kurzfristig sei daher trotz Produktionseinschränkung nicht mit einer Normalisierung der Ölpreise zu rechnen. "Mittelfristig wird vor allem die Disziplin der OPEC-Mitglieder bei der Umsetzung der beschlossenen Drosselung für die Preiswirkungen entscheidend sein", so Borbély.
Im Falle einer "Quotendisziplin" seitens der OPEC-Staaten rechnet die DekaBank bis Sommer 2009 mit einem Anstieg der Ölpreise auf 70 bis 80 Dollar - also auf ein "faires" Niveau. Etwas weiter geht die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): "Tatsächlich könnte dieser Schritt das Ende des fünfmonatigen Bärenmarktes bedeuten", sagt LBBW-Experte Frank Schallenberger mit Blick auf den Ölpreis-Einbruch seit diesem Sommer. Nach der Förderkürzung der OPEC werde das Angebot an Rohöl künftig deutlich schneller und stärker zurückgehen als die Nachfrage. Sofern die OPEC-Entscheidung konsequent umgesetzt werde, dürfte der aktuelle Ölpreis von 40 Dollar den Tiefststand der Korrektur bedeuten, sagt Schallenberger. Bis zum Jahresende 2009 rechnet die LBBW mit einem Preis von 65 Dollar je Barrel Rohöl.
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