Wien - Die Organisation erdölexportierender Länder verzichtet angesichts der Weltrezession vorläufig auf eine weitere Senkung ihrer Förderquoten. Wie OPEC-Sprecher Omar Ibrahim nach einer sechsstündigen Konferenz der OPEC-Ölminister am Sonntag in Wien bekanntgab, will das OPEC-Sekretariat zunächst abwarten, wie sich die bisherigen Quotensenkungen um insgesamt 4,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) auf den Ölpreis auswirken. Nach Angaben der OPEC haben die zwölf Mitgliedsländer die verordneten Quotensenkungen bereits zu knapp 80 Prozent eingehalten. In den Tagen vor der Konferenz lag der Preis für OPEC-Öl bei rund 42 Dollar.
Seit dem vergangenen Sommer sind die Rekordpreise für Rohöl auf den internationalen Rohstoffmärkten von damals fast 150 Dollar pro Barrel um über 100 Dollar auf derzeit rund 46 Dollar abgestürzt. Dadurch sanken die Einnahmen der großen Ölförderländer drastisch. Auch durch Fördersenkungen versuchten sie, einen weiteren Preisabfall zu stoppen.
OPEC-Sprecher bezweifelten nach dem Treffen, dass das Kartell den angestrebten Ölpreis von 60 bis 70 Dollar pro Barrel bis zum Jahresende erreichen werde. "Wir fürchten, dass sich die Weltwirtschaft in der schwersten Krise befindet", betonte OPEC-Generalsekretär Abdullah al Badri vor Journalisten. "Dies wird das bisher schwerste Jahr für die Weltwirtschaft". Zwar habe die OPEC ihr Preisziel nicht aufgegeben. "Wir werden alles tun, um dies zu erreichen, aber es wird schwierig."
Zuvor hatte OPEC-Sprecher Omar Ibrahim begrüßt, dass die zwölf Mitgliedsländer des Kartells seit dem 1. Januar die im September und Dezember verordneten Quotensenkungen um 4,2 Millionen Barrel täglich "zu rund 79 Prozent erfüllt" hätten. Ziel sei es jetzt, die Fördermenge um den vollen Betrag zu senken. Nach offiziellen Angaben liegt die Fördergrenze der OPEC-Staaten (ohne den Irak) derzeit bei 24,84 Millionen Barrel pro Tag. Die OPEC berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells.
Durch die bisherige Politik der OPEC-Staaten habe man eine Stabilisierung der Ölpreise erreicht "und die Marktrisiken reduziert", sagte Ibrahim. Nach Einschätzung von OPEC-Analysten wird der Weltbedarf an Öl in diesem Jahr im Vergleich zu 2008 wegen der Wirtschaftskrise um mehr als eine Million Barrel pro Tag sinken.
Ursprünglich hatten sich mehrere OPEC-Staaten für eine weitere Quotenkürzung um bis zu einer Millionen Barrel/Tag ausgesprochen, um ein weiteres Absinken des Ölpreises zu verhindern. Vor allem Saudi-Arabien hatte sich aus Furcht vor den Folgen für die Weltwirtschaft aber dagegen ausgesprochen. Die OPEC-Minister werden ihre bisherigen Maßnahmen am 28. Mai in Wien überprüfen.
An der 152. Konferenz des Ölkartells hatte eine russische Delegation als Beobachter teilgenommen. Russlands Vizeregierungschef Igor Setschin sagte am Rande des Treffens, Moskau erwäge eine Mitgliedschaft in der OPEC. "Wenn das Kartell alle unsere Vorstellungen in die Tat umsetzt, werden wir den Beitritt in Betracht ziehen", sagte Setschin. Der Politiker räumte ein, dass der gegenwärtige Ölpreis von knapp über 40 Dollar für Moskau "ein Anlass zur Besorgnis" sei.
Russland ist der weltweit zweitgrößte Ölexporteur. Setschin kündigte an, den russischen Export zu drosseln, um im Gegenzug den Verbrauch auf dem heimischen Markt anzukurbeln. Zur Stabilisierung der Ölpreise schlug Setschin vor, langfristige Verträge abzuschließen und unabhängige Förderländer wie Kasachstan, Aserbaidschan, Norwegen und Brasilien einzubinden.
Zum Auftakt der Konferenz hatte der amtierende Präsident der Organisation und Ölminister Angolas, José Maria Botelho de Vasconcelos, vor den Folgen des Preisverfalls für die internationale Ölindustrie gewarnt. Wegen der niedrigen Ölpreise hätten die zwölf Mitglieder der Organisation bereits längerfristige Investitionen stoppen müssen. Außerdem gingen in der Industrie weltweit auch Arbeitsplätze verloren.