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Ohne saubere Energien in China drohen fatale Folgen für Erderwärmung

dpa | 26.11.2004
Bild: Stromleitungen

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Peking (dpa) - China spielt eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die globale Erwärmung. Ohne die aufstrebende Wirtschaftsnation ist dieser Kampf kaum zu gewinnen. Dem bevölkerungsreichsten Land der Erde drohen gleichwohl selbst katastrophale Auswirkungen. Schwere Dürren im Norden, verheerende Überschwemmungen und eine alarmierend schnelle Gletscherschmelze sind heute schon Vorboten des Klimawandels.

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Der Vorsitzende des Europäischen Klimaforums (ECF), Carlo Jaeger, aus Potsdam malte auf einer Konferenz in Peking kürzlich ein düsteres Szenario für den bis 2050 erwarteten Anstieg der Temperaturen um zwei Grad Celsius. "Die Wüste Gobi wird sich weiter ausdehnen. Wasser wird in Nordchina knapper", prophezeit Jaeger. "Stärkere Stürme werden massive Regenfälle und Fluten nach Südchina bringen." Die Küstenregionen seien durch den Anstieg des Meeresspiegels bedroht. Die Landwirtschaft werde betroffen. Er warnt sogar vor "mehr tropischen Krankheiten".

Als weltgrösster Kohleverbraucher steht China am Scheideweg. Nach den USA produziert kein anderes Land der Erde so viel Kohlendioxid. Zwei Drittel der Energie stammt in China aus Kohle. Die heute siebtgrösste Wirtschaftsmacht, die sieben Prozent Wachstum jährlich über 10 bis 20 Jahre erwartet, leidet schon heute unter Strommangel und muss die Energiegewinnung drastisch ausbauen. Als Entwicklungsland ist China aber von der Verringerung des Kohlendioxids durch das Kyoto Protokoll ausgenommen.

"Wir können schlecht mit dem Finger auf die Chinesen zeigen", sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Immerhin verbrauchten die 1,3 Milliarden Chinesen pro Kopf nur ein Fünftel oder Sechstel so viel Energie wie Menschen in den Industrieländern. "Es wäre für die globale Erwärmung aber fatal, wenn die Chinesen auf das gleiche Niveau kämen."

China stehe vor der Frage, wie es sich wirtschaftlich rasant entwickeln könne, ohne dabei zu viel Treibhausgase auszustossen. "Der Trick ist, die Kohlendioxid-Intensität zu reduzieren", meint der Wissenschaftler Atiq Rahman aus Bangladesch.

Er sieht zunächst die Verantwortung für die Verringerung der Treibhausgase bei den Industrieländern, sonst würden die Entwicklungsländer nicht folgen. Doch seien alle betroffen. "Jedes Land kann seinen eigenen Weg gehen, aber China wird seinen Preis zahlen", sagt Rahman. Das Milliardenvolk müsse aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Ehrgeizig verkündete China sein Wunschziel, moderne erneuerbare Energien bis 2010 auf einen Anteil von zehn Prozent zu steigern. Doch werden Zweifel laut, ihr Beitrag heute gerade einmal bei einem Promille liegt.

Die nötigen Ausgaben für saubere Energien in China seien "riesig", betont Jaeger. "Aber die Investitionen bringen etwas ein." Ohnehin werde China in den nächsten 20 Jahren enorme Summen in die Energiegewinnung stecken. "Die Frage ist, wie klug das Geld ausgegeben wird." Kohle könne viel wirksamer und ohne grossen Kohlendioxidausstoss verbrannt werden.

"China muss sein Wirtschaftswachstum nicht drosseln, um die Ziele zu erreichen", glaubt Jaeger als Ökonom, räumt aber ein, dass seine These kontrovers ist. Es müsse ein stärkerer Dialog zwischen Europa und China über saubere Energietechnologien in Gang kommen. Der Klimaspezialist von Greenpeace, Bill Hare, zweifelt denn auch, ob diese Investitionen ohne Hilfe von aussen gemacht werden.



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