Offshore-Anbindung: Herausforderung für neuen RWE-Chef Terium
- 1 | Weggang des Atom-Dinos
- 2 | Offshore-Anschluss verzögert sich weiter
- RWE forscht an CO2-Verwertung
- RWE verabschiedet sich von der Atomkraft
- RWE erhöht Strom- und Gaspreise deutlich
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Berlin/Essen - Ab 1. Juli übernimmt bei RWE der Niederländer Peter Terium das Ruder. Der Energiekonzern verabschiedet sich nicht nur vom alten Chef Jürgen Großmann, sondern auch von der Atomkraft. Doch mit der Anbindung von Offshore-Windparks warten jede Menge neue Herausforderungen.
Wachwechsel beim Energieriesen RWE: Der Atomverfechter Jürgen Großmann macht zum 1. Juli dem Niederländer Peter Terium Platz im Obergeschoss der 127 Meter hohen RWE-Zentrale in Essen. Großmann stand für die alte RWE mit dem Standbein Atomkraft. Terium muss sich um die Zukunft mit dem Ausbau grüner Energien verdient machen. Praktisch tut er das schon. Der 60-Jährige Großmann hatte ihm schon vor Monaten nach und nach das Ruder überlassen.
Der scheidende Chef hat aber nicht nur die Auszeichnung Atom-Dino der Kernkraftgegner verdient. Immerhin hat RWE unter seiner Regie 2008 mit der Gründung einer eigenen Gesellschaft für erneuerbare Energien die Weichen für die Zukunft gestellt. Dass er dabei wortgewaltig die Atomkraft verteidigt hat, war auch sein Auftrag. Mit den Meilern ließ sich gutes Geld verdienen. Außerdem sorgte die Kernkraft dafür - und tut es in kleinerem Umfang noch heute - dass die katastrophale CO2-Bilanz des Konzerns nicht noch schlechter ausfällt. RWE stützt seine Stromproduktion auf Braun- und Steinkohle.
Großmann wird "Privatperson"
Peter Terium ist der zweite Niederländer an der Spitze nach Harry Roels (2003 - 2007). Der 48-jährige Terium, der von der niederländischen Tochter Essent nach Deutschland kam, müsste in seiner Amtszeit schon Gigawatt-weise grünen Strom produzieren, um die CO2-Lasten der fossilen Kraftwerke abzufedern. Sie kosten nicht nur Ansehen, sondern auch viel Geld. Ab 2013 müssen die Stromerzeuger Milliarden für die Verschmutzungszertifikate aufbringen, selbst wenn die Preise für die Zertifikate derzeit niedrig sind.
Großmann braucht nicht mehr mit Kanzlerin Angela Merkel um Kernkraft zu feilschen und sich auch nicht mehr über die Verzögerungen bei der Anbindung von offshore-Windanlagen in der Nordsee zu ärgern. Er steigt aus der Stromwirtschaft aus. Nötig hatte der Selfmade-Milliardär, der sein Glück im Stahlgeschäft gefunden hatte, schon den lukrativen Job bei RWE nicht mehr. Er will jetzt wieder "Privatperson" werden. In seinem Fall ist das aber nicht mit "zur Ruhe setzen" zu interpretieren. Seiner Stahlwerksgruppe Georgsmarienhütte bleibt er treu. Vielleicht wird er wieder beim Weltwirtschaftsforum in Davos Skifahren. Und in Osnabrück dürfte man ihn als Gast seines eigenen Sternerestaurants finden. Man sieht dem mehr als zwei Meter großen und meist jovial auftretenden Manager an, dass er zu Leben versteht.
Öffnung für Solarenergie
Terium kommt rein faktisch etwas kleiner daher. "Uns unterscheiden 23 Zentimeter und 73 Kilogramm", hatte er kurz nach seinem Start an der Seite von Großmann gesagt. Klein wirkt aber nur neben dem Riesen. Mit RWE hat er eigene Pläne: Er will das Thema Atomstrom zu den Akten legen. "Wir werden nicht mehr in neue Atomkraftwerke investieren", kündigte er jüngst an und meinte damit ganz Europa. In Sachen Solarenergie will er den Konzern öffnen.
Südeuropa und Nordafrika stehen im Fokus, in Deutschland kann sich Terium Solar-Kooperationen mit Stadtwerken vorstellen. Großmann stand der Sonnenenergie verschlossen gegenüber. Auch auftreten will der gelernte Buch- und Steuerprüfer nicht wie Großmann. Er sei ein Teamplayer, der nicht wie sein Vorgänger vorweg gehe und das Unternehmen ins Schlepptau nehme. Ruhrbaron will er also nicht werden.
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