Ökoenergie-Branche schlägt Alarm - Stromlobby: "Kein Weiter So"
Dagegen sprach Bundesverband Erneuerbare Energie von einer "offenen Kampfansage". BEE-Präsident Johannes Lackmann: "Die Kohle- und Atomlobby will die Dynamik der erneuerbaren Energien in Deutschland ein für alle Mal brechen und dann unter ihre Kontrolle bringen." Nachdem bisher vergeblich Gerichte gegen das Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG) bemüht worden seien, würden jetzt die wahren Motive der Stromkonzerne klar: "Sie verhindern den Ausbau der erneuerbaren Energien, erhöhen die Kosten und drängen kleine und mittelständische Erzeuger aus dem Markt. Den Rest teilen sich dann die grossen Energieversorger auf."
Helfen solle ihnen dabei die Änderung des Fördersystems. Derzeit zahlen die Stromverbraucher eine durchschnittliche Vergütung von 9 Cent pro Kilowattstunde Strom, um Windkraft und den anderen Alternativ-Energien zunehmend Marktchancen zu geben. Die Netzbetreiber sind verpflichtet, die angebotene Menge Erneuerbarer aufzunehmen und die Verbraucher zu beliefern. Zeitungsberichten zufolge wollen die Stromriesen statt der Einspeisevergütungen ein Quotensystem - verbunden mit einem Bonus - schaffen, bei dem festgelegte Mengen den Preis bestimmen.
Damit, so mutmasste auch Windenergie-Manager Ralf Bischof, würden "unliebsame" Windmühlenbetreiber verdrängt und die Strompreise nach oben getrieben. Dies zeige auch das entsprechende britische System. Den Konzernen in Deutschland käme mit dem Wechsel bis zur verstärkten Eigenerzeugung von Wind-, Sonnen- und Bioenergiekraft eine von ihnen angestrebte Lockerung des Atomausstiegs zugute. Die "Financial Times Deutschland" (FTD) hatte ergänzt, CDU-Chefin Angela Merkel wolle "als Bundeskanzlerin der Energiewirtschaft die Laufzeit der Reaktoren freistellen". Nach bisherigem Stand soll der letzte Kernreaktor im Jahr 2022 vom Netz gehen.
Scharfe Kritik hatte am Tag zuvor auch Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) geübt. Das am 1. April 2000 in Kraft getretene Gesetz habe zum riesigen Boom mit 130 000 Arbeitsplätzen geführt: "Heute stammen (schon) 10 Prozent des Stroms aus Wind- und Wasserkraft, Biomasse und Geothermie." Dieser Trend dürfe nicht gestoppt werden.
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