Öko-Olympia in Luftverschmutzungs-London
London - Englands Hauptstadt ist bekannt für überfüllte Straßen, schlechte Luft und Müllprobleme. Trotzdem sollen in London die grünsten olympischen Spiele der jüngeren Geschichte stattfinden. Nachhaltig wird das an der Situation jedoch nichts ändern.
Es sollen die grünsten Spiele werden. Die Organisatoren von Olympia 2012 in London haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Goldmedaille für Nachhaltigkeit. Wenn die Sportler im olympischen Dorf zur Toilette gehen, dann spülen sie mit Brauchwasser. Strom und Wärme kommen aus einem Kombi-Kraftwerk, das mit Gas und Hackschnitzeln befeuert wird. Und das Stahlgerüst für das Olympiastadion ist aus alten Wasserleitungsrohren gemacht.
60 Prozent weniger CO2
Auch beim Klimaschutz will London 2012 vorbildlich sein. Alle Baustoffe für den Olympia-Park sind klimafreundlich hergestellt, die Autos für den Transport der Sportler haben kohlendioxidarme Motoren. "Wir haben den Carbon-Footprint im Vergleich zur herkömmlichen Herangehensweise um 60 Prozent reduziert", sagt Simon Wright von der Olympic Delivering Authority (ODA), einer staatlichen Gesellschaft, die für die Infrastruktur der Spiele zuständig ist.
Die meisten Sportstätten können nach den Spielen zurückgebaut werden, so dass sie den Londonern Freizeitsportlern zur Verfügung stehen. So wird etwa die futuristische Schwimmhalle von Star-Architektin Zaha Hadid ihre beiden Seitenflügel mit den großen Zuschauertribünen wieder verlieren - und bleibt als wellenförmiges Gemeindeschwimmbad stehen. Die Basketball-Halle verschwindet ganz und wird woanders wieder aufgebaut. Das olympische Dorf, wo während der Spiele 17 000 Sportler und Funktionäre übernachten, wird zu knapp 3000 Wohnungen umgebaut. "Wir müssen nur noch die Küchen einbauen", sagt Wright.
Ärmster Stadtteil wird zum Vorzeige-Dorf
Der Olympia-Park ist auf einer Brachfläche entstanden, in einem der ärmsten und verwahrlosten Stadtteile Londons. In Stratford war 2005 die Arbeitslosigkeit am höchsten, die Bildung am schlechtesten, die Gesundheitsversorgung der Menschen am dürftigsten in ganz London. Das Konzept, diese Gegend mit Hilfe Olympias zu transformieren hat 2005 einen Großteil dazu beigetragen, dass sich London gegen die favorisierten Mitbewerber wie Paris oder Moskau überhaupt durchsetzen konnte.
Zwei Millionen Tonnen kontaminierten Bodens haben die Organisatoren auf dem Parkgelände mit einem Spezialverfahren gewaschen und zu 80 Prozent wiederverwendet. 200 Gebäude wurden abgerissen - das Material wurde ebenfalls zum Großteil wieder verbaut. So dienen als Stahlträger für das 80 000 Zuschauer fassende Olympiastadion etwa ehemalige Wasserrohre. Auf ein festes Dach für das Stadion hat man verzichtet - um den Verbrauch von Stahl zu reduzieren. Stattdessen hält eine von Stahlseilen gehaltene Textil-Konstruktionen Wind und Regen vom Innenraum fern.
Grüner Fleck im dreckigen London
"So etwas hat es bei Olympischen Spielen noch nicht gegeben", sagt die britische Umweltministerin Caroline Spelman. "Wir möchten, dass wir künftig ein Vorbild sind, dass die nächsten Olympischen Spiele auf dem aufbauen, was wir vorgelegt haben." Allerdings dürfen die Nachahmer dann nicht all zu weit über den Olympiapark hinausschauen.
London - eine der großen Megacitys Europas - ist als Stadt nicht gerade ein Muster an Nachhaltigkeit. Taxifahrer lassen in der Warteschlange den Motor laufen, Supermärkte verkaufen fast genau so viel Verpackung wie Inhalt, Plastikbeutel bekommen Kunden beim Einkauf geradezu aufgedrängt. Und im Winter sieht es morgens manchmal aus wie nach einem Hagelsturm - soviel Streusalz werfen die Arbeiter auf Straßen und Gehwege.
25.000 Taxen, 9.000 Busse
25 000 Taxen und fast 9000 Busse tragen in London zu einer Luftverschmutzung bei, die alle Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation bricht. Der Stickstoffgehalt ist etwa 2,5 Mal höher als der WHO-Richtwert und damit der höchste aller EU-Hauptstädte. 4300 Menschen starben in London im Jahr 2008 frühzeitig wegen der Luftverschmutzung.
Während im Olympiapark Regenwasser aufgefangen und Trinkwasser gespart wird, versickern in England und Wales jeden Tag 3,3 Milliarden Liter wegen maroder Leitungsrohre im Erdreich. "Die Olympia-Organisatoren tuen was sie können. Aber Olympia ist nur fünf Prozent des Problems. 95 Prozent sind ungelöst", sagt Simon Berkitt, der sich mit seiner Organisation "Saubere Luft in London" für bessere Luftqualität einsetzt.
Weitere Nachrichten vom 10.07.2012
- Koordinierung der Energiewende: Altmaier auf Deutschlandtour
- Riskante Inhalte werden von Kindern kaum gemeldet
- Fukushima-Folgen: Radioaktives Wasser verteilt sich im Meer
- BASE All in: 75 Euro Gutschrift oder vergünstigtes iPhone 4S
- Umfrage: Manager halten an Eurozone fest
- Bundesverfassungsgericht berät über Eilklagen zu Euro-Rettung
- Frankreich unterbindet zu hohe Preisanstiege bei Strom und Gas
- Gas- und Ölstreik in Norwegen abgewendet
- Eurogruppen-Vorsitz: vorerst kein Nachfolger für Juncker
- Bank-Tochter der Allianz mit Schwierigkeiten
- SEPA: Banken stellen Geschäftsbedingungen für Lastschriften um
- Stromnetz-Ausbau: 700 Einwände gegen neue Leitungen
- WLAN-Router mit WPA-Schlüssel schützen
- Ölpreise fallen nach Streik-Ende in Norwegen

Tarifvergleiche für Telekommunikation, Versicherungen und Finanzen an.
Mehr erfahren
