Notruf 112 funktioniert ab Juli nur noch mit aktivierter SIM-Karte
Bonn - Die Bundesnetzagentur in Bonn hat beschlossen, dass ab dem 1. Juli der Notruf 112 nur noch mit einer eingelegten und aktivierten SIM-Karte funktioniert. Das teilte Rudolf Boll, Sprecher der Bundesnetzagentur, in einem Gespräch mit dem dpa-Themendienst mit. Anhand der SIM-Karte könne der Anrufer identifiziert werden.
"Die Notrufzentralen sind mit falschen Notrufen oft regelrecht bombardiert worden", erklärte Boll den Hintergrund der Änderung. Man hoffe, dass die Hemmschwelle für einen Missbrauch des Notrufs steige, wenn die Anrufenden wissen, dass sie identifiziert werden können. Rechtlich fußt die Maßnahme auf einer Änderung der Notrufverordnung zum Telekommunikationsgesetz, die die Innenminister der Länder angestoßen hatten. Bisher waren Notrufe von jedem Handy aus auch ohne SIM-Karte möglich.
"Es gibt noch einiges zu klären", sagte Boll. Technisch geregelt werden müssten beispielsweise Fälle, bei denen Notrufe über Prepaid-SIM-Karten ohne Guthaben abgesetzt werden sollen. Außerdem müsse eine Notrufverbindung auch dann gewährleistet werden, wenn nur fremde Netze verfügbar sind, für die es kein Roaming-Abkommen gibt. Verbände, Notrufzentralen und Hersteller seien daher aufgerufen, bis zum 15. Juni bei der Bundesnetzagentur Stellungnahmen einzureichen.
Trotz der Einschränkung will die Verordnung erreichen, dass möglichst viele Menschen mobil Notrufe absetzen können. Deshalb soll vom 1. Januar 2010 an Hilfe auch mit solchen SIM-Karten herbeigerufen werden können, deren Erreichbarkeit der Netzbetreiber beispielsweise nach einem ausgelaufenen Vertrag längst deaktiviert hat. Technisch sind auch diese SIM-Karten anhand von Kenn- und Referenznummern noch identifizierbar. Ohne SIM-Karte im Handy wird aber vom 1. Juli an kein 112-Ruf mehr an die Notrufzentralen durchgestellt.
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