Neuer Stresstest für Europas Banken

London/Frankfurt - Wie gut sind Europas Geldhäuser für eine neuerliche Wirtschaftskrise gerüstet? Die EZB sucht eine Antwort auf diese Frage und will in diesem Jahr wieder tief in die Bücher der Banken blicken.

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Bild: Eurozeichen vor EZB Bild: ©goodstock/fotolia.com / Text: dpa

Europas Großbanken müssen sich in diesem Jahr wieder einem Krisentest stellen. In einem neuen Stresstest nimmt die europäische Bankenaufsicht EBA 51 Institute unter die Lupe. Parallel dazu untersucht die Europäische Zentralbank (EZB) in einer abgespeckten Variante 60 weitere Kreditinstitute aus der Eurozone.

Geprüft wird, ob die Geldhäuser genügend Kapitalpuffer haben, um einen Absturz der Wirtschaft und einbrechende Immobilienpreise zu verkraften. Die Ergebnisse des EBA-Tests sollen Anfang des dritten Quartals veröffentlicht werden, wie die Behörde am Mittwoch in London mitteilte. Die EZB will ihre Resultate hingegen nicht offiziell bekanntmachen und nur intern für die Überwachung der Banken nutzen.

Im EBA-Test soll es im Gegensatz zu vorherigen Stresstests keine "Durchfaller" geben. Die Szenarien, die auf Basis der Geschäftszahlen zum Jahresende 2015 durchgespielt werden, sehen massive wirtschaftliche Schocks in Europa vor: Für dieses und nächstes Jahr eine um 1,2 Prozent beziehungsweise 1,3 Prozent schrumpfende Wirtschaft, für 2018 lediglich 0,7 Prozent Wachstum. Auch für die USA und Japan, sowie für Schwellenländer wie China, Brasilien und Türkei werden heftige Einbrüche durchgespielt.

Neu ist, dass sogenannte Verhaltensrisiken in das Stress-Szenario eingehen. Damit sind zum Beispiel Strafen gemeint, die Banken zahlen müssen, etwa weil Händler gegen Vorgaben verstoßen wie im Fall der Libor-Zinsmanipulationen, die Geldhäuser im Nachhinein Milliarden kosteten. Das könnte insbesondere die Deutsche Bank treffen, die sich mit zahlreichen juristischen Altlasten herumschlägt. Allerdings werde man an den Ergebnissen des Stresstests nicht ablesen können, mit welchen Strafen eine Bank rechne, erklärte EBA-Risikoexperte Mario Quagliariello.

Als weitere Risiken werden fallende Energiepreise und Negativzinsen mit ins Krisenszenario aufgenommen. Die Folgen eines möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU ("Brexit") nannte Quagliariello jedoch nicht.

Die Aufseher verzichten dieses Mal auf Vorgaben von Kapitalquoten, die Banken erfüllen müssen. Stattdessen sollen die Ergebnisse in die jährliche Bewertung von Geschäftsmodellen und Risiken der Institute einfließen. Beim bisher letzten EU-weiten Stresstest 2014 waren von 123 Banken 24 durchgefallen. Ihnen fehlten zusammen 24,6 Milliarden Euro. Solche Untersuchungen waren nach der jüngsten Finanzkrise eingeführt worden. Sie sollen Risiken in den Bank-Bilanzen offenlegen und so größeres Vertrauen in die Stabilität der Finanzbranche schaffen.

Die EZB ist seit November 2014 für die Bankenaufsicht in der Eurozone zuständig und kontrolliert die 129 größten Institute direkt. Davon nehmen an den aktuellen Tests aber nur etwa 100 Institute teil. Die übrigen waren erst kürzlich durchleuchtet worden wie die griechischen Geldhäuser oder sind Tochterfirmen. Die EBA ist die oberste Bankenaufsichtsbehörde der Europäischen Union und damit auch für Banken in Nicht-Euro-Ländern wie Großbritannien verantwortlich.

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