Neuer EnBW-Chef erwartet höhere Strompreise
Der 49-Jährige, der vor seinem Amtsantritt bei EnBW Finanzvorstand von E.ON in Schweden war, kritisierte vor allem die hohen staatlichen Abgaben auf den Strompreis, die bei 40 Prozent lägen. Villis warnte davor, die Folgen des geplanten Ausstiegs zu unterschätzen. "Wir werden in den kommenden 20, 30 Jahren ganz sicherlich kein neues Kernkraftwerk mehr bauen". Es sei aber auch nicht möglich, kurzfristig die notwendigen Ersatzkapazitäten in Deutschland zu schaffen. "Deshalb müssen wir schauen, dass wir die Laufzeiten verlängern und offen diskutieren, was das an Investitionen für die Energiebranche bedeutet", sagte Villis bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als EnBW-Chef. Er betonte aber auch, die Energie Baden-Württemberg werde sich an den bestehenden Vertrag zum Atomausstieg halten.
Die damalige rot-grüne Bundesregierung und die Stromindustrie hatten sich im Jahr 2000 auf das schrittweise Abschalten aller Meiler bis 2021 geeinigt. Der Ausstieg ist seit 2002 im Atomgesetz festgeschrieben. Dieses schließt den Bau neuer Reaktoren aus.
Auf der Suche nach Alternativen für die reduzierten Ressourcen will der drittgrößte deutsche Versorger vor allem seinen Kraftwerkspark ausbauen. "Wir werden schwerpunktmäßig sehen müssen, wo wir neue Kraftwerke bauen können", sagte Villis.
Unter der Führung von Villis will EnBW das Konzernwachstum steigern und ihren Milliardengewinn für den Ausbau des Unternehmens verwenden. "Wir müssen den finanziellen Spielraum, den wir gewonnen haben, auf allen Gebieten der Wertschöpfungskette nutzen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Claus Dieter Hoffmann. Dies gelte vor allem für die Erzeugung. Hier müsse der Konzern einerseits die Kernkraft verteidigen und sich andererseits mit konventioneller Produktion befassen sowie den erneuerbaren Energien "hinreichend Raum verschaffen".
Nach Ansicht von Villis kann auch die Billigmarke Yello ausgebaut werden. Die "eine oder andere Wachstumschance" sieht der Energieexperte zudem in Osteuropa und Österreich. "Beteiligungen an Stadtwerken im deutschsprachigen Ausland sind interessant." Der EnBW- Chef rief ausdrücklich zu mehr Transparenz in der Arbeit seines Unternehmens auf. "Wir müssen Vertrauen beim Kunden schaffen", sagte er. Er wolle vor allem für einen "europäischen Blick" auf die Energiewirtschaft werben. "Ich gehe davon aus, dass wir in einer Handvoll Jahren nur noch relativ wenige große Versorger und einen erheblich liberalisierteren Energiemarkt nach skandinavischem Vorbild haben werden", sagte Villis. "Und die EnBW wird dazugehören."
Der 49-jährige frühere E.ON-Manager hatte den Posten an der Spitze des Energiekonzerns Anfang Oktober als Nachfolger von Utz Claassen übernommen. Dieser hatte nach mehr als vierjähriger Amtszeit seinen Vertrag nicht verlängert.
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