Neue Störfälle heizen Debatte über schnelleren Atomausstieg an
In einer Trafostation des Atomkraftwerks (AKW) Krümmel hatte es am Donnerstag einen Brand und im Werk Brunsbüttel einen Kurzschluss gegeben. Beide Reaktoren wurden abgeschaltet, es trat keine Radioaktivität aus. Der Krümmeler Transformator ist nach Angaben von Vattenfall Europe vollkommen zerstört. Nach Angaben von Brandschutzexperten lief viel Öl aus, das sich entzündete. Nach Angaben des TÜV Nord vom Freitag war auch bei dem Zwischenfall in Brunsbüttel ein kleiner Schwelbrand an einer Turbine ausgebrochen. Außerdem habe es nicht sicherheitsrelevante "Besonderheiten" gegeben, etwa die zu langsame Reaktion eines Geräteteils und Risse in Abdeckungen an Dampf-Rohrleitungen. Der TÜV schloss weitgehend aus, dass der Kurzschluss im AKW Brunsbüttel die Panne im AKW Krümmel ausgelöst haben könnte.
Durch die Abschaltung beider Kraftwerke ist nach Angaben von Vattenfall ein Schaden von mehreren Millionen Euro entstanden. Die genaue Summe konnte noch nicht beziffert werden. Durch Spannungsschwankungen waren am Donnerstag in Hamburg 800 Ampeln und kurzzeitig auch der U-Bahn-Verkehr ausgefallen. Die Lübecker Staatsanwaltschaft leitete Vorermittlungen zum Brand in Krümmel ein. Wie bei jedem Feuer mit ungeklärter Ursache werde geprüft, ob eine Straftat vorliege, sagte ein Sprecher.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verlangte: "Beide Pannenreaktoren sind umgehend stillzulegen." Schleswig- Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) sagte jedoch, die Betreiber Vattenfall und E.ON wollten das Werk Brunsbüttel offenbar sehr schnell wieder ans Netz nehmen. Bei Krümmel werde dies wegen des Brandes nicht so schnell gehen.
Die Störfälle zeigen nach Ansicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace "ganz deutlich, wie gefährlich Kernenergie ist". Sie seien ein klares Signal an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), "dass sie beim Energiegipfel am Dienstag in Berlin Weichen hin zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft ohne Atom und Kohle stellt", sagte der Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) forderte sogar einen sofortigen Atomausstieg.
Nach Ansicht von Greenpeace ist der Siedewasserreaktor Krümmel auch besonders störanfällig. Das belegten rund 300 meldepflichtige Zwischenfälle seit der Inbetriebnahme 1983. Verschiedene Anti-Atom- Gruppen riefen für Sonntag zu einer Kundgebung vor dem AKW Krümmel auf.
Der energiepolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Kiel, Manfred Ritzek, warnte vor "Panikmache". Die automatischen Schnellabschaltungen hätten gezeigt, dass die hohen Sicherheitsstandards funktionierten. "Deshalb ist der Versuch einiger Politiker, mit diesen Ereignissen Ängste zu schüren, unverantwortlich."
Das 1983 in Betrieb genommene Kraftwerk Krümmel soll noch bis 2016 am Netz bleiben. Der seit 1976 Strom produzierende Meiler in Brunsbüttel wird nach dem vereinbarten Atomausstieg 2009 abgeschaltet.
Wegen der Abschaltungen der Reaktoren war nach Angaben des Verbandes der Netzbetreiber (VDN) innerhalb kurzer Zeit eine Kraftwerksleistung von rund zwei Gigawatt ausgefallen. Das europäische Verbundnetz sei mit bis zu 390 Gigawatt aber darauf ausgelegt, den Ausfall von 3 Gigawatt unmittelbar auszugleichen.
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